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AfD erreicht in Baden-Württemberg rund 18 Prozent: Ein vergifteter Erfolg für den „Kampfzwerg“ – mit Folgen

2026-03-09
In politik Vom Dennis Pohl

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Markus Frohnmaier hatte eine klare Vorstellung davon, wie der Wahlabend laufen würde. Ein „blauer Balken“ würde „durch die Decke schießen“, tönte der AfD-Kandidat für Baden-Württemberg beim Wahlkampfparteitag seiner Partei im vergangenen November. Die „Altparteien“, so Frohnmaier weiter, würden „ihr blaues Wunder erleben“.

Nach den ersten Hochrechnungen ist klar: Dieses blaue Wunder ist ausgeblieben, die Decken blieben unbeschädigt. Auf rund 18 Prozent der Stimmen kommt die AfD bei der Landtagswahl nach ersten Hochrechnungen, damit wird sie drittstärkste Kraft und wohl stärkste Oppositionspartei. Ein Abschneiden, für das sich Frohnmaier um kurz nach 18 Uhr mit Sprechchören feiern ließ.

Und ja, für sich genommen ist das ein beängstigend gutes Ergebnis. Im vergleichsweise wohlhabenden Südwesten tat sich die AfD schließlich immer schwer, bei der Wahl im Jahr 2021 kam sie auf 9,7 Prozent der Stimmen. Dieses Ergebnis hat sie nahezu verdoppelt. Die Partei könnte den Abend also getrost als weiteren Erfolg verbuchen und sich auf die nächste Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März konzentrieren.

Doch so einfach ist es nicht. Zu groß war der Druck auf Frohnmaier schon vor dem Urnengang. „Alles andere als ein überragendes Ergebnis der AfD in Baden-Württemberg wird viele zum Teil sehr unangenehme Fragen aufwerfen“, schrieb zuletzt etwa Torben Braga, Bundestagsabgeordneter aus Thüringen und enger Vertrauter des mächtigen Landeschefs Björn Höcke, auf der Plattform X. Eine Sichtweise, die nicht wenige AfDler teilen dürften.

Unter dem eigenen Anspruch

Ein Grund dafür ist zunächst einmal der eigene Anspruch. Seit 2021 ist die Truppe schließlich zur selbsterklärten Volkspartei aufgestiegen. Kam sie bei der Bundestagswahl im selben Jahr noch auf etwas mehr als zehn Prozent, rangiert sie im Bund laut Umfragen inzwischen auf Augenhöhe mit der Union bei rund 25 Prozent.

Gleichzeitig hat sie sich in einigen Bundesländern verlässlich als stärkste Kraft etabliert. In Sachsen-Anhalt etwa, wo sich Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bei der Wahl im September je nach Abschneiden der anderen Parteien sogar Hoffnungen auf eine Alleinregierung machen kann. Und auch für Baden-Württemberg hatte Frohnmaier selbst die Erwartungen angeheizt: „25 Prozent plus X“ versprach er für die Wahl.

Rund 18 Prozent, drittstärkste Kraft? Das fühlt sich für viele in der Partei inzwischen wie eine Niederlage an. Eine vermeidbare obendrein.

Landtagswahl in Baden-Württemberg

Dabei schien Frohnmaier einen Plan zu haben, nämlich eine Art Selbstzähmung – der Partei und seiner selbst. Der 35-Jährige mit rumänischen Wurzeln galt lange als scharfer Vertreter der rechtesten Tendenzen in der AfD. „Kampfzwerg“ nennen ihn einige Parteifreunde, wohl auch wegen seiner Statur, „Frontmaier“ andere. Kaum zehn Jahre ist es her, da ließ er sich noch bereitwillig dabei begleiten, wie er mit Martin Sellner, Kopf der „Identitären Bewegung“, kumpelte.

Er ist Mitbegründer der aufgelösten AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative, gehörte zu den Erstunterzeichnern der „Erfurter Resolution“, dem Gründungspapier des extrem rechten Flügels um Höcke. Immer wieder stand er, der mit einer russischen Journalistin verheiratet ist, wegen seiner Kontakte zu russischen Politikern in der Kritik.

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Im Wahlkampf hingegen ging Frohnmaier spürbar auf Distanz zur extremen Rechten in der AfD, vermied etwa gemeinsame Auftritte mit Flügel-Kollege Höcke. Auf Podien und TV-Bühnen rang er trotz inhaltlicher Härte um einen betont sanften Ton. Die Partei müsse es „dem Nachbarn so einfach wie möglich machen, sich für die AfD zu entscheiden“, gab er vor.

Verwickelt in Skandale

Am Ende machte er es diesem jedoch eher schwer – allerdings aus anderen Gründen. Denn Frohnmaier irritierte im Grunde vom Tag seiner Aufstellung. Zunächst einmal, weil stets klar war, dass sein Ausflug in die Landespolitik ein kurzer bleiben würde. Früh ließ Frohnmaier wissen, dass er nicht für den Landtag kandidieren werde, sondern nur für das Amt des Ministerpräsidenten. Deshalb verpasste er sich selbst den Neologismus „Ministerpräsidentenkandidat“ statt Spitzenkandidat.

Von einer Alleinregierung war seine Partei im Südwesten jedoch stets weit entfernt, koalieren will mit ihr niemand. Frohnmaier wird nach dem Wahlabend also wieder zurück nach Berlin gehen. Und damit den Eindruck erwecken, er habe die Kandidatur nur genutzt, um seine dortige Karriere anzukurbeln. Schließlich ist er, der enge Vertraute von Parteichefin Alice Weidel, bereits Fraktionsvize und außenpolitischer Sprecher. Er rührt also mit dem großen politischen Löffel.

Obendrein wurde auf den letzten Metern des Wahlkampfes bekannt, dass auch er, wie so viele in seiner Partei, knietief in die Vetternwirtschafts-Affäre verwickelt ist. Zuletzt kam heraus, dass nicht nur seine Frau bei einem AfD-Abgeordneten im Bundestag angestellt ist, sondern auch sein Vater für seine Wahlkampfmanagerin, eine Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg, arbeitet.

Frohnmaier reagierte darauf mit einem Reflex, der in der AfD längst eingeübt ist: Der eigentliche Skandal sei, dass die Medien überhaupt darüber berichten.

Dann vollbrachte er jedoch auch noch das Kunststück, ausgerechnet die Wahlwoche nicht in Baden-Württemberg zu verbringen, sondern in Washington D.C., wo er sich mit Figuren aus Donald Trumps MAGA-Bewegung vernetzte.

Trotzdem Oberwasser

Weidel und Co-Chef Tino Chrupalla sollen wenig begeistert gewesen sein, dass ihr Kandidat zu diesem Zeitpunkt die weite Welt dem Ländle vorzog. Als sie am Donnerstag beim offiziellen Wahlkampfabschluss in Rottweil allein auf der Bühne standen, straften beide Frohnmaier mit konsequenter Nicht-Erwähnung. Ein gemeinsamer Auftritt am Montag wurde ohne Angabe von Gründen abgesagt.

Das klingt nicht nach den üblichen Blumen und Glückwünschen – sondern nach Ärger.

Dennoch dürfte die AfD mit Oberwasser aus dem Wahlabend gehen. Am Ende wird man höchstwahrscheinlich stärkste Oppositionskraft. Und ist es nicht sogar ein gutes Zeichen für die Partei, dass dieser Wert unter der Gewitterwolke eines bundesweiten Skandals von einem ausbaufähig agierenden Kandidaten errungen wurde?

Tatsächlich gab es für die Partei in Umfragen trotz der jüngsten Affären kaum Ausschläge nach unten, sie klebte gefestigt zwischen 15 und 20 Prozent – und das Wahlergebnis bestätigt das. Mit Blick auf das Superwahljahr 2026 ist das für die AfD eine wichtige Rückversicherung.

Denn das Ergebnis zeigt, wie stabil die AfD-Wählerschaft inzwischen ist, die die Partei im Grunde unabhängig vom Konkreten unterstützt. AfD-Skandale, so die Erkenntnis, scheinen das Klientel der Partei nicht zu entfremden – sondern vielmehr in seiner Weltwahrnehmung zu bestätigen.

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