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Das Gesicht der Stadt gestalten: Design der Kunsthochschule Weißensee im Museum der Dinge

2026-04-17
In leben Vom Gunda Bartels

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Beispiel Stadtumbau. Um Berlin fit zu machen für die Zukunft. Sie wird von der zunehmenden Erderwärmung geprägt sein, in der sich versiegelte Großstädte im Sommer immer öfter in glühende Öfen verwandeln. Dagegen arbeiten die Studierenden der Kunsthochschule Weißensee mit ihren Entwürfen. Die Fassadenfliesen „cellular“, die die Produktdesign-Studentin Vivian Tamm ausgedacht hat, sind ein Beispiel.

Prägnante Dreiecke mit Erhebungen und Ablaufkanten bilden ein keramisches Raster. Es kann Regenwasser aufnehmen und leiten. Die Fliesen nutzen das Wachstum von Luftalgen als lebende Glasur. Sie zeichnet sich in der Ausstellung „Gestalten für Berlin. Design aus der Kunsthochschule Weißensee“ in grünen und rotbraunen Belägen auf der hellen Keramik ab.

Mit interessanten baulichen Gestaltungselementen wie diesen lässt sich das Mikroklima der Stadt verbessern. Und auch ihr Erscheinungsbild, das dem Werkbundarchiv – Museum der Dinge als Ausstellungshaus für Gestaltungsgeschichte und Alltagskultur besonders am Herzen liegt.

Die U-Bahnen der BVG-Baureihe IK

Was Lehrende und Studierende der Kunsthochschule Weißensee tun, lässt sich schlicht und bedeutsam so zusammenfassen: Sie prägen das Gesicht der Stadt. Durch druckgrafische Produkte wie Plakate für die Volksbühne oder das Deutsche Theater, durch schicke Edelstahl-Eiskaffeebecher, wie sie in den fünfziger Jahren im Café Moskau auf der Karl-Marx-Allee benutzt wurden (Entwurf: Christa Petroff-Bohne) oder durch die kantigen Züge der BVG-Baureihe IK von Stadler, Baujahr 2015, die auf den Bahnlinien U1 bis U4 im Einsatz sind.

Der Alltag in der Stadt diktiert dem Design seine Bedürfnisse. Lehrende und Studierende werden beeinflusst vom Leben in einem sich stetig verändernden Berlin. Es ist ein Wechselspiel, das seit der Hochschulgründung vor 80 Jahren besteht und sich in Interviews mit Studis von heute nachhören lässt, die eine Hörstation am Beginn versammelt.

Handy leer? Einfach zur nächsten Straßenlaterne gehen. Dort soll das Modell der Solarladestation „Powerplant“ von Nick Geipel und Charlotte von Ravenstein (2022) einmal zu finden sein.

© Nick Geipel, Charlotte von Ravenstein

Auf das Kapitel „Die Stadt von morgen“, die mit der orange leuchtenden Solarpaneele „Powerplant“ (Entwurf: Nick Geipel und Charlotte von Ravenstein) eine kostenlose Stromquelle für Passanten zeigt, die an Straßenlaternen montiert werden und spontanes Handyaufladen ermöglichen soll, folgt das Kapitel „Wassergeschichten“.

Da hängt die Fotografie eines realisierten historischen Entwurfs der Weißenseer Dozentin Gertraude Pohl für eine Brunnenanlage in Marzahn, in der 1987 Kinder planschen, neben dem Rendering des Leopoldplatzes von heute. In dieser Idee versprechen mit Pflanzen bestückte und von Wasser durchrieselte Ton-Elemente Abkühlung. Allerdings nur, wenn aus der studentischen Vision Realität wird.

Die Ausstellung

„Gestalten für Berlin. Design aus der Kunsthochschule Berlin-Weißensee“ ist vom 16.4. bis zum 22. Februar 2027 zu sehen, im Museum der Dinge/Werkbundarchiv, Leipziger Str. 54. Geöffnet ist Do – Mo, jeweils 12 – 19 Uhr.

Zur Ausstellung erscheint im Herbst ein Katalog. Informationen zu Führungen, Künstlergesprächen und dem ausführlichen Begleitprogramm gibt es unter www.museumderdinge.de.

Es ist eine gute Idee der Kuratorinnen Florentine Nadolni und Silke Ihden-Rothkirch, die von 1986 bis 1991 selbst Formgestaltung in Weißensee studiert hat, historische Entwürfe mit studentischen Arbeiten der Gegenwart zu kontrastieren. Zumal es sich nach deren Auskunft bei „Gestalten für Berlin“ gerade nicht um einen Abriss der Hochschulgeschichte handelt. Die zeitgeschichtlichen Umbrüche, die sich in sie eingeschrieben haben, schwingen trotzdem mit.

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Etwa in einer Hörstation mit Radiobeiträgen zum Nachwende-Konflikt Anfang der 90er Jahre, als die Kunsthochschule, die in der DDR alle ideologischen Anfeindungen überlebt hat, geschlossen beziehungsweise in die heutige Universität der Künste eingegliedert werden sollte.

Dagegen protestiert 1991 auch der berühmte Schweizer Architekt und Künstler Max Bill, der mit Schweizer Akzent die Güte der heute noch praktizierten fächerübergreifenden Gestaltungslehre in Weißensee preist und mahnt: „Man kann nicht sparen, indem man Qualität weglässt.“

Das Ziel: gute Gestaltung für den Alltag

1946 wurde die Hochschule für angewandte Kunst in der sowjetischen Besatzungszone gegründet. Mit dem erklärten Ziel, nicht L’art pour l’art zu produzieren, sondern in der kriegszerstörten Stadt den durch alle Künste – Malerei, Plastik, Grafik, Bühnenbild, Mode, Textil, Keramik, industrielle Gestaltung – gezogenen Fokus auf die praxisbezogene Gestaltung des Alltags zu lenken. Die Lehrenden der Anfangsjahre sind stark vom Deutschen Werkbund und dem Bauhaus geprägt.

Das belegen auch Notizblätter aus dem Nachlass des Architekten und Designers Herbert Hirche, der 1948 seine Ideen für das Weißenseer Curriculum auf die Rückseite des Briefpapiers der Berliner Bauhaus-Dependance schreibt, die Mies van der Rohe 1933 auf Druck der Nationalsozialisten schließen musste.

Plakatdesign aus Weißensee. „Radfahrer haben nichts zu verlieren als ihre Ketten!" (2015), Neuauflage des Plakates aus dem Jahr 1989, Gestaltung: Henning Wagenbreth.

© Henning Wagenbreth

Das Museum der Dinge hat die Schau im Weißenseer Jubiläumsjahr initiiert, die Kunsthochschule kooperiert. Bei der Szenografie etwa, die von den Designern von morgen für die Schau entworfen wurde. Sie ist von starken Schwarz-Gelb-Kontrasten geprägt. Die Typografie ist neu, zitiert aber die siebziger Jahre, die laut Kuratorin Ihden-Rothkirch mit ihrer Ästhetik bei den Studis von heute hoch im Kurs stehen.

Der Schwerpunkt von „Gestalten für Berlin“ liegt auf dem Produktdesign und auf der Gebrauchsgrafik. Raumgreifendere Gewerke wie Bühnenbild oder Modedesign kommen dagegen nicht vor, dafür fehlt es dem Museum der Dinge an Platz.

Wie Ideen Form annehmen. Skizzen zur „Urania-Weltzeituhr“ im Taschenkalender von Erich John (1968). Heute ist die Weltzeituhr nach wie vor der Treffpunkt auf dem Alexanderplatz.

© Armin Herrmann

Immer wieder schnurren gestern und heute in prägnanten Bildern zusammen. Etwa, wenn gleich zu Beginn ein Foto des Kinos International zu sehen ist, mit dem eleganten, serifenlosen Schriftzug von 1961, er stammt von Klaus Wittkugel. Der Professor der Kunsthochschule Weißensee gehörte zu den wichtigsten Gebrauchsgrafikern und Plakatkünstlern der DDR.

Als Link in die Gegenwart fungiert das Berlinale-Plakat mit dem kristallinen Sonnenbrillen-Eisbären, das an der Fassade prangt. Claudia Schramke, die seit 2021 die Plakate des Filmfestivals gestaltet, hat von 2012 bis 2023 Visuelle Kommunikation in Weißensee studiert. Jedes Jahr im Februar pflastern ihre Bären die Stadt.

Bau auf, bau auf. Ein Student der Kunsthochschule Weißensee zeichnet vor der Baustelle Alexanderplatz mit Haus des Lehrers und Kongresshalle, um 1965.

© Archiv Weißensee Kunsthochschule Berlin/Unbekannt

Logisch, dass auch der Alexanderplatz, der nur zehn Minuten Fußweg vom Kino International entfernt liegt, seinen Look der gestalterischen Moderne aus Weißensee verdankt. Wie der Erfinder der Weltzeituhr, Erich John, zeichnerisch an den Entwürfen für seine 1969 zur Uhr gewordenen Planetenbewegungen gearbeitet hat, lässt sich an den Skizzen in seinem Taschenkalender ablesen.

Der Uhr zur Seite hängt ein Supa-Hasi-Comic des Berliner Zeichners Mawil, der in den 90ern Kommunikationsdesign in Weißensee studierte. Auch Supa-Hasi trifft sich an der Weltzeituhr, so wie die ganze Stadt.

Dass die Kunsthochschule Weißensee genauso wie das Museum der Dinge von Einsparungen im Berliner Haushalt betroffen sind, nimmt sich angesichts der lebensbereichernden Bedeutung von gelungener urbaner Gestaltung keineswegs wie eine Fußnote aus.

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