Der Frühling ist da, die Tage werden länger, es bleibt endlich mehr Zeit für Schönes. Doch womit füllt man am besten die Stunden, die uns die Sommerzeit schenkte?
Unser Vorschlag: Mit Kunst! Damit Sie das Beste nicht verpassen, haben wir Ihnen die besten neun Ausstellungen, die schon bald schließen, zusammengestellt.
1 Zauberei mit Form und Farbe
© Galerie Kornfeld
Echte Farbwunder sind Nick Dawes’ Gemälde. Flachsgelb, loderndes Rot, Wasserblau und ein türkises Grün legen sich in vertikalen Bahnen übereinander, Schicht für Schicht, ohne zu verlaufen. Die Ausstellung „Trace Elements“ versammelt ein knappes Dutzend Werke, von denen einige knapp drei Meter lang sind.
Es braucht Abstand, damit sie sich entfalten – und im Prozess der Blicke und Bewegungen durch die Schau wird deutlich, dass die Zeit, die der Künstler zur Produktion seiner Bilder aufgewendet hat, auf undefinierbare Art in ihnen verkapselt ist. Der Besuch setzt sie frei. Es ist ein ebenso meditatives wie intensives Erlebnis.

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Ein Farbspaziergang, der offenbart, weshalb Dawes seine Schau Spurenelemente nennt: Man braucht nicht viel davon, aber sie sind lebenswichtig. (cmx)
Die vollständige Besprechung der Ausstellung können Sie hier lesen.
Nick Dawes: Traces Elements
Wo: Galerie Kornfeld, Fasanenstr. 26, Charlottenburg, noch bis zum 18. April, 11-18 Uhr
Tickets: Eintritt frei. Weitere Informationen finden Sie hier.
2 Im Dialog mit der Moderne
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„Sieben Jahre“ heißt die Schau von Viola Bittl, Jahrgang 1980, die ihr eigenes Werk der jüngeren Vergangenheit reflektiert. Ihre Ausstellung versteht sich als Rückschau und Momentaufnahme – eine kleine Retrospektive, die es ermöglicht, Bittls abstrakte Malerei konzentriert kennenzulernen.
Die überwiegend großen Leinwände hängen allerdings nicht chronologisch. Bittl zieht Sichtachsen vor, um formale wie inhaltliche Bezüge zu klären.
Denn obwohl sie ungegenständlich arbeitet, lässt sich ein wiederkehrendes, wenn auch reduziertes Vokabular ausmachen: Es tauchen Streifen auf, diffuse Rechtecke schweben vor Farbfeldern, Gitterstrukturen sind auszumachen. Gleichzeitig bleiben sie vage und deuten Landschaften oder steinerne Formationen höchstens an.

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Viola Bittl bezieht sich auf die Anfänge der abstrakten amerikanischen Malerei, deren gedankliche Klarheit und ästhetische Formensprache. Namen wie William Baziotes, Forrest Bess oder Myron Stout fallen: kanonische Künstler der Moderne, die in europäischen Museen dennoch kaum zu finden sind.
Es ist ein vorsichtiger, tastender Dialog, den Bittl mit Einflüssen von Empfindungen und individuellen Eindrücken beantwortet. Dass ihre Bilder dennoch selbstbewusste malerische Statements sind, wird jedem klar, der länger als fünf Minuten in der Galerie bleibt. (cmx)
Viola Bittl: „Sieben Jahre“
Wo: Walter Storms Galerie, Marcator-Höfe, Potsdamer Str. 83, Tiergarten, noch bis zum 18. April, Do–Sa 12–18 Uhr
Tickets: Eintritt frei
3 Vom Urelement der Linie
© Galerie Kajetan
Auf graublauem Hintergrund steht eine weiße Senkrechte, umgeben von unzähligen kleinen Punkten, die leuchtend rot umrandet sind. Manche in schnurgerader Anordnung, andere in chaotischer Zerstreuung oder Zusammenballung.
Sie lassen an eine unvollendete Figur denken, an einen freien, dynamischen Tanz oder an den durcheinandergeratenen Plan eines Schaltkreises. Worum es sich eigentlich dreht, bleibt am Ende der unbetitelten Arbeit offen.
Die 1969 in Innsbruck geborene Künstlerin Izabel Angerer die aktuell in der Berliner Galerie Kajetan ausstellt, dekonstruiert die Linie in ihr Urelement: den Punkt. Im Sinne des abstrakten Malers Wassily Kandinsky als „innerlich knappste Form“, die Basis jeglicher Malerei.

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Doch geht der Punkt bei Angerer über die Funktion des visuellen Markers hinaus, indem er zugleich eine reale Öffnung wird – als durchlässige Schnittstelle und Ankerpunkt. Zwischen Genauigkeit und spontaner Setzung wirken die Arbeiten nicht erzählerisch, sondern energetisch.
Sie erinnern an konkrete oder minimalistische Kunst, die Angerer jedoch stets mit dezidiert handwerklichen Eigenheiten ergänzt oder auch konterkariert. So entfalten sie nicht nur eine faszinierende Sinnlichkeit, sondern lassen der Zeit gleichsam einen besonderen Raum zukommen. (mino)
Izabel Angerer: Denkräume eröffnen
Wo: Galerie Kajetan, Grolmanstr. 58, Charlottenburg, noch bis zum 18. April, Do-Sa 12-18 Uhr
Tickets: Eintritt frei. Weitere Informationen finden Sie hier.
4 Die Wut als ihre Antriebskraft
© Margo Guttmann/ Ludger Paffrath
Turbinen drehen sich in rohem Fleisch. Die Energie, die dieser Organismus erzeugt, richtet sich auch gegen ihn selbst. Es ist eine Selbstzerfleischung.
Margo Guttmanns Gemälde „Iceroom“ (Foto) von 2013 hängt in der Miettinen-Collection vor einer Tür. Beinahe hätte das starke Werk keinen Platz gefunden in dieser ersten, zu kleinen Übersichtsausstellung eines Oeuvres, das 30 Jahre lang im Privaten gewachsen ist.
Die angemessenen Dimensionen kann sich jeder ausrechnen, der Guttmanns monumentale Köpfe gesehen hat, die gerade noch in der Ausstellung „faces of mind“ im Haus. Kunst. Mitte für Aufsehen sorgten.
Wut war eine große Antriebskraft für Margo Guttmann und zwar eine, die sich zunächst aus dem Privaten nährte. Wut über ihre Scheidung, Wut, alleinerziehend alles allein machen zu müssen, Wut über einen Todesfall, wie sie erzählt.
Das Gemälde „iceroom“ sei ein Wendepunkt gewesen, eine Möglichkeit, diese Wut künstlerisch produktiv herauszulassen, sie fassbar zu machen.
Man sollte die Jahre, die sie im Atelier verbracht hat, nicht auf bloße Selbsttherapie reduzieren. Dafür fordern ihre Gemälde zu entschieden ein Publikum. Inzwischen malt Guttmann posthumane Ritter, die mit den Übeln der Welt ringen. Sie tragen ihre Rüstungen nicht als Panzer, sie sind von ihm durchdrungen.
Anders scheint es nicht zu gehen. Wir erwarten die nächste Schau mit Spannung. (ipa)
Margo Guttmann: Hybrid-Human
Wo: Miettinen Collection, Marburger Str. 3, Charlottenburg, noch bis zum 18. April, 12-18 Uhr
Tickets: Eintritt frei
5 Bevor die Wolken weiterziehen ...
© Courtesy Heike Negenborn & Galerie Poll, Berlin, VG Bild-Kunst 2026
Letzte Chance, die „zeitgenössische Landschaftsmalerei“ von Heike Negenborn zu erleben. Was wie der perfekte Moment unter freiem Himmel wirkt, sind in Wirklichkeit Denk- und Erlebnisräume der Malerin.
Denn sie lässt Landschaften und Himmelsformationen aufeinandertreffen, die sich nie begegnet sind – über Ländergrenzen und Jahrhunderte hinweg, bisweilen im Dialog mit Ruisdael, Blechen oder Corot, perspektivisch analysiert und digital gepusht. (ipa)
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Heike Negenborn: Landschaft in Bewegung
Wo: Galerie Poll, Gipsstr. 3, Mitte, noch bis zum 18. April, Di-Sa 12-18 Uhr
Tickets: Eintritt frei
6 August trifft Berlin
© Antonie Deusser Stiftung, Schweiz
„Schauen Sie sich die Ausstellungen mit deutschen Impressionisten an. So konzentriert wie in diesem Jahr, werden wir sie lange nicht wiedersehen!“, empfiehlt Evelyn Wöldicke, Direktorin der Liebermann-Villa. Damit meint sie nachdrücklich auch das kurze Gastspiel des Rheinischen Impressionisten August Deusser im Vereinshaus der Schützengilde Berlin im Berliner Norden.
Ist das nicht Liebermanns Garten? Sind die Landschaften von Cézanne, die sich aufbäumenden Pferde von Delacroix? August Deusser war ein Suchender. Dass er nach einer impressionistischen Hochphase künstlerisch die Orientierung und den Anschluss an die Moderne verlor, kostete ihn die Gunst der Sammler und seinen verdienten Platz in der Kunstgeschichte.
Dabei ist er neben seiner Malkunst, so wichtig. Zusammen mit Künstlerfreunden, Museumsdirektoren, Sammlern und er 1909 den Sonderbund. In deren „Sonderausstellungen“ wurden – ganz unnationalistisch – zunächst Künstler:innen aus Frankreich und Deutschland nebeneinander gezeigt, um ein „vergleichendes Sehen“ zu ermöglichen. Die neue Form der Präsentation vor weißen Wänden und in einreihiger Hängung war revolutionär.
© Antonie Deusser Stiftung, Schweiz
Die 1912 in Köln eröffnete, letzte Ausgabe zählt aus heutiger Sicht zu den wegbereitenden Kunstausstellungen des frühen 20. Jahrhunderts, da sie erstmals alle Kunstströmungen der Avantgarde (Expressionismus, Brücke, Blauer Reiter, Fauves, Kubismus) in Europa zusammen vorstellte und Monet, Cézanne, Gauguin und van Gogh gegenüberstellte. Als Verkaufsausstellung war sie für die Entwicklung des Kunstmarktes von größter Bedeutung.
Eine ausführliche Ausstellungsbesprechung und Übersicht über Impressionismus-Austellungen in Berlin finden Sie hier.
August trifft Berlin
Wo: Villa Schützenhof, Niederneuendorfer Allee 12-16, Berlin-Hakenfelde, bis 19.4.2026, Fr-Sa 11-19 Uhr
Tickets: Eintritt frei, Info hier
7 Eine Minimalistin auf Abwegen
© Monika Brandmeier (VG Bild-Kunst, Bonn 2026)
Monika Brandmeiers Ausstellung in der Galerie Mathias Güntner trägt den kryptischen Titel „Diffuser Raum (mit scharfen Kanten)“ und passt doch zum Hauptwerk „Various Corners“ im Entrée.
Zwei gekantete Aluminiumplatten stehen sich gegenüber und bilden einen an zwei Ecken geöffneten Raum. Am Boden liegen ausgestreut grünliche Kehrspäne, wie sie zum Reinigen von Industriehallen und Werkstätten benutzt werden.
Einerseits klare Kante, andererseits Streusel drumherum: Die Gegenüberstellung weist Monika Brandmeier als Minimalistin auf Abwegen aus. Ihren Werken wohnt bei aller Nüchternheit eine Poesie inne, wie auch ihre Ausstellungstitel verraten.
„Eine tropische Stimmung, nur um einiges kühler“ hieß vor fünf Jahren ihre Werkschau in der Zitadelle Spandau. Mit ihren Skulpturen verhält es sich wie mit einem Gedicht, erklärt die Bildhauerin, die seit 2001 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden lehrt.
Man muss sie mehrfach lesen, dann erschließen sich die verschiedenen Ebenen.
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Da wäre zum Beispiel jenes Zinkblech, das mit einem verlängerten Haken an der Wand gehalten wird und sich dabei leicht wegdreht. „Gap“ lautet der Titel für diese trickreiche Arbeit, bei der es der Künstlerin um genau jene Lücke zwischen Wand und Blech geht.
Wie bei Bruce Naumans beengten Korridoren, durch die der US-Künstler sein Publikum schickt, entwickelt man als Besucher auch hier ein physisches Verhältnis zum Zwischenraum. (nk)
Monika Brandmeier: Diffuser Raum (mit scharfen Kanten)
Wo: Galerie Mathias Güntner, Knesebeckstr. 90, Charlottenburg, noch bis zum 25. April, Do-Sa 12-18 Uhr
Tickets: Eintritt frei. Weitere Informationen gibt es hier.
8 Zeugnisse der Moderne
© Bröhan-Museum/ Sammlerehepaars Akka und Wulf D. von Lucius Sammlerehepaars Akka und Wulf D. von Lucius Sammlung Akka und Wulf D. von Lucius
Letztes Jahr eröffnete in der Dauerausstellung des Bröhan Museums ein neuer Art-Déco-Schwerpunkt, der die eleganten Highlights der Sammlung von Jacques-Émile Ruhlmann, Süe et Mare, Jean Puiforcat und Pierre Chareau ins rechte Licht rückte.
Zum 100-jährigen Jubiläum der Pariser „Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes“, aus der sich der Name des neuen Stils ableitete, zeigt das Stuttgarter Sammlerehepaar Akka und Wulf D. von Lucius seine Sammlung von Art-Déco-Illustrationen für Zeitschriften und Werbung.
Diese grafischen Zeugnisse prägten das Bild der Moderne entscheidend – sie machten den Luxus der neuen Zeit sichtbar, multiplizierbar und massenwirksam. Dabei waren sie alles andere als trivial: Die kleinen Kunstwerke wurde per hand auf edelstem Papier von Hand koloriert. (ipa)
Glamour und Geometrie. Art Déco in der Illustration
Wo: Bröhan Museum, Schloßstr. 1a, Charlottenburg, noch bis zum 26. April, Di-So 11-18 Uhr, außer Sa 18.4.
Tickets: 9 Euro, erm. 6 Euro, online hier.
9 Mit Blick in die Welt
© Sourav Das
Der erste Eindruck mag täuschen. Es ist kein Bild aus einem Kriegsgebiet, mit dem der indische Fotograf Sourav Das den dritten Preis des Unicef Foto des Jahres gewonnen hat (Foto). Seine Reportage „Children in Jharia’s coal mines lose childhood to smoke, fire, and endless survival” hat er in Jharia fotografiert, berüchtigt als „the burning city“.
Auf einem der größten Kohlefelder Indiens in einem Außenbezirk der Millionenstadt Dhanbad leben die Kinder in Ruinen. Jederzeit können die baufälligen Hütten und Häuser auf dem unterhöhlten Grund einstürzen. Nach indischem Gesetz ist Kinderarbeit unter 14 Jahren zwar verboten, verfolgt werden Verstöße aber noch immer selten.
Den zweiten Platz hat die in Paris lebende Fotografin Natalya Saprunova für ihre Fotoserie über die Kinder in der Mongolei gewonnen, von denen eine große Zahl gesundheitliche Probleme durch die immense Luftverschmutzung hat.
So sehr diese Bilder bedrücken: Fast immer gibt es in ihnen einen Funken Hoffnung, wie in den Bildern wissbegieriger Mädchen in Afghanistan von Elise Blanchard, aus denen das diesjährige Siegerbild stammt. (ipa)
UNICEF Foto des Jahres
Wo: Willy-Brandt-Haus, Stresemannstr. 28, Kreuzberg, noch bis zum 26. April, Di-So 12-18 Uhr
Tickets: Eintritt frei (Personalausweis erforderlich). Weitere Informationen gibt es hier.