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Sammeln macht süchtig: Ein Besuch im Museo Cerralbo, das von der Leidenschaft des Sammelns erzählt

2025-05-17
In leben Vom admin

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Alte private Häuser von Sammlern und Sammlerinnen zeichnet meist ein besonderer Charme aus. Dies gilt vor allem, wenn es sich um für die Öffentlichkeit zugängliche Gebäude handelt, die wie Zeitkapseln erscheinen, da man sehen kann, auf welche Weise die Bewohner mit ihrer Kunst gelebt haben. Berühmt sind etwa die Wallace Collection in London, das Musée Nissim de Camondo in Paris, das Museo Poldi Pezzoli in Mailand oder das Isabella Stewart Gardner Museum in Boston.

Auch in der Innenstadt von Madrid, einen Steinwurf vom königlichen Schloss entfernt, gibt es mit dem Museo Cerralbo ein solches Schatzhaus, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Die Räume wirken, als wären die früheren Besitzer nur mal kurz vom gedeckten Esstisch aufgestanden und würden gleich zurückkommen. Die komplette Einrichtung ist fast unverändert erhalten.

Pferdezucht und Spekulation

Das rot-weiße, viergeschossige Stadtpalais im Stil des italienischen Klassizismus wurde 1883 von Enrique de Aguilera y Gamboa, dem 17. Markgraf von Cerralbo, entworfen und innerhalb von zehn Jahren errichtet. Der Aristokrat mit acht weiteren Adelstiteln stammte aus einer der ältesten, vermögendsten und angesehensten Familien Spaniens. Er war Mitglied des Oberhauses im Parlament, diente als Politiker der Krone und arbeitete außerdem als Archäologe. Auf der iberischen Halbinsel führte er mehrere Ausgrabungen durch und publizierte seine wissenschaftlichen Erkenntnisse in umfangreichen Büchern. Sein Vermögen vermehrte er mit Pferdezucht und Börsenspekulationen.

Das Treppenhaus im Stadtpalais mit dem Wappen der Adelsfamilie.

© IMAGO/Pond5 Images

Cerralbo, der häufig im Auftrag und in Vertretung des spanischen Königshauses unterwegs war, nutzte diese Reisen, um seiner Sammelleidenschaft nachzugehen. Im Laufe von fünf Jahrzehnten trug er rund 28.000 Objekte zusammen. Sein Interesse galt alten Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen, Möbeln, Wandteppichen, Kunsthandwerk aus Porzellan und Glas sowie Büchern, Münzen und Waffen. Mit seiner Frau Inocencia reiste er durch Europa und war unermüdlich auf der Jagd nach den Objekten seiner Begierde. In italienischen Galerien erwarb er etwa venezianische Gemälde und antike Marmorskulpturen, während er in Madrid mitunter komplette Kunstsammlungen aufkaufte, die um 1900 durch verarmte Adelshäuser auf den Markt kamen.

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Im berühmten Pariser Auktionshaus Drouot war Cerralbo Stammkunde und ersteigerte bei jedem Besuch Unmengen an Kunstwerken und dekorativen Objekten. Als dort alte orientalische Musikinstrumente und japanische Samurai-Rüstungen angeboten wurden, konnte er auch diesen Stücken nicht widerstehen. Mit Kunst- und Antiquitätenhändlern stand er in engem Austausch und entwickelte sich zu einem wahren Connaisseur. Ihn fesselte nicht nur das, was er sammelte, sondern vielleicht mehr noch das Sammeln selbst.

Obsessiver Gestaltungswillen

Dabei fällt auf, dass seine Leidenschaft ausschließlich auf die Vergangenheit gerichtet war: Barock, Klassizismus und Historismus prägen die gesamte Einrichtung seines Stadtpalais. Der Fortschritt war nur in Form von technischen Annehmlichkeiten wie fließendem Wasser, modernen Sanitäranlagen, Radio und Telefon zugelassen. Obwohl der Markgraf im Kunsthandel Gemälde von bedeutenden Spaniern wie El Greco und Zurbarán und Italienern wie Carracci und Tintoretto erwarb, fällt nicht die Qualität einzelner Werke auf. Das Wohnhaus, das immer auch Sammlerhaus gewesen ist, erscheint vielmehr als überwältigendes Gesamtkunstwerk. Die übervollen Räume zeugen von einem obsessiven Gestaltungswillen ihres Hausherrn, der keinen Quadratzentimeter ausließ.

Das Schwelgen in der Vergangenheit sollte nicht nur Cerralbos privaten Geschmack zur Geltung bringen, sondern war auch ein Mittel dynastischer Selbstdarstellung. Bereits im opulenten Treppenhaus als größtem Raum des Hauses prangt ein riesiges Wappen, das deutlich macht, wer hier wohnt. Der zweite Stock mit Bankettraum, Bibliothek, Billardzimmer und säulenbestücktem Ballsaal diente dem Empfang von Gästen und der gesellschaftlichen Repräsentation. Hier konnte Cerralbo seinen Reichtum, seine Kultiviertheit und soziale Stellung zum Ausdruck bringen.

Intime Salons und eine Kapelle

Der erste Stock war hingegen dem Alltag vorbehalten. Dort liegen die intimen Salons, die schlichten Schlaf- und Büroräume sowie eine kleine Kapelle. Die strenge Trennung von öffentlichem Auftritt und privatem Leben ist in solchen Stadtpalais und Schlössern des Adels für das 19. Jahrhundert typisch, während das Jahrhundert zuvor diese klare Aufteilung beider Lebensbereiche noch nicht kannte. Kein anderes Haus in Madrid – auch nicht das Stadtschloss der Herzöge von Alba und die Villa des Sammlers Lázaro Galdiano – vermittelt so anschaulich und authentisch, wie die vermögende Aristokratie zu dieser Zeit öffentlich residierte und privat wohnte.

Da seine Frau Inocencia bereits früh verstarb und das Ehepaar keine gemeinsamen Kinder hatte, vermachte Cerralbo das Gebäude mitsamt dem Inventar nach seinem Tod 1922 dem spanischen Staat. In seinem Testament notierte der Markgraf: „Ich habe entschieden, dass meine Sammlungen immer zusammenbleiben sollen, um von Wissenschaftlern und Kunstbegeisterten studiert werden zu können.“ Bis heute ist das Museo Cerralbo ein Geheimtipp, wo man zum Glück nur wenige Touristen antrifft, sodass man durch das Haus ungestört flanieren und auf Entdeckungstour gehen kann (www.cultura.gob.es/mcerralbo/home.html).

Archäologie Königshäuser Spanien

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