„Im Moment ist hier keine Annahme von Banknoten möglich“: Dieser Hinweis leuchtet seit vielen Tagen auf sämtlichen Fahrkartenautomaten in der Berliner U-Bahn.
„An unseren Fahrausweisautomaten ist die Zahlung mit Banknoten derzeit aufgrund einer technischen Störung nicht möglich“, bestätigte eine BVG-Sprecherin am Donnerstag auf Anfrage: „Wir arbeiten an der Behebung.“ Einen Termin nannte die Sprecherin nicht.
Laut BVG sind sämtliche Geräte in der U-Bahn und teilweise die an Bushaltestellen gestört. Die Automaten in der Straßenbahn sind nicht betroffen, sie nehmen grundsätzlich nur Münzen.
Die meisten der 665 Automaten auf U-Bahnhöfen nehmen normalerweise Banknoten an. Nur wenn an größeren Stationen zwei Geräte nebeneinander stehen, hat nur ein Automat Aufnahmeschlitze für Banknoten.
© Jörn Hasselmann
Denn die Bargeldfunktion kostet zusätzlich Geld und macht die Geräte interessanter für Kriminelle. Immer wieder werden Automaten aufgebrochen oder gar gesprengt. Im Sommer 2025 musste der Bahnhof Lipschitzallee stundenlang gesperrt werden. Durch die Explosion waren neben dem Geldautomaten auch Teile des Eingangs zerstört worden. Der Schaden war hoch, die Kosten trägt der Steuerzahler.
Vor wenigen Wochen hatten Berlins Bahnchef Alexander Kaczmarek und Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) die hohen Kosten kritisiert und sich zumindest für eine teilweise Abschaffung der Automaten ausgesprochen.
„Weg damit. Keiner braucht die mehr“, hatte Kaczmarek in einer TV-Diskussion im RBB gesagt. In Zeiten von Deutschland-Ticket und Käufen über das Mobiltelefon „ist das Asbach uralt“. Vor allem die hohen Kosten sprechen aus Sicht der Bahn gegen die Automaten. Anschaffung, Betrieb und vor allem die Reparatur nach Vandalismus seien teuer. Da werde „relativ viel Geld verbraten“, sagte Kaczmarek in der Sendung.
Diese Meinung vertritt Kaczmarek intern seit Jahren, die Bahn scheute aber lange eine Diskussion in der Öffentlichkeit. So hatte die BVG heftige Kritik von Sozialverbänden einstecken müssen, als die Bargeldzahlung in Bussen abgeschafft werden sollte. Die während Corona gestoppte Bargeldzahlung war 2023 wieder zugelassen worden.
Erst 2024 beendete die BVG die kosten- und zeitintensive Bargeldzahlung endgültig. Die BVG begründete die neue Regelung mit einem geänderten Fahrverhalten der Menschen. Demnach steigen rund 99 Prozent der Kundinnen und Kunden inzwischen mit einem gültigen Fahrschein ein, meist mit einer Monatskarte oder dem Deutschlandticket. Zuletzt wurden pro Bus nur noch drei Tickets am Tag mit Bargeld bezahlt.
Auch die Automaten auf den Bahnsteigen werden deshalb immer weniger genutzt. Ein Gerät kostet laut BVG zwischen 20.000 und 40.000 Euro, eines für die Straßenbahn 8000 bis 15.000 Euro. In der TV-Diskussion hatte sich auch Verkehrssenatorin Ute Bonde für eine Senkung der Vertriebskosten und für eine schrittweise Abschaffung der Automaten ausgesprochen.
Verkehrsverbund ist gegen die Abschaffung von Automaten
2025 hatte die BVG nach der teuren Einigung im Tarifkampf mit der Gewerkschaft Verdi angekündigt, Einsparungen durch mehr Digitalisierung zu prüfen, zum Beispiel durch einen Verzicht auf Bargeld. Konkretisiert wurde dieses Vorhaben bislang nicht.
Gegen die Abschaffung der Automaten ist der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Für den VBB gehören Automaten zur Daseinsvorsorge. „Sie sind ein niedrigschwelliges Angebot für Menschen, die kein Smartphone benutzen können oder möchten“, sagte VBB-Sprecher Joachim Radünz kürzlich dem Tagesspiegel.
Andere Länder haben längst umgestellt. In Polen zum Beispiel ist die Zahlung mit Karte selbstverständlich. In einigen Städten wie Breslau geben die Automaten nicht einmal mehr einen Fahrschein aus Papier aus – das Ticket ist auf der Kreditkarte gespeichert, auch der Einzelfahrschein.
Die BVG gibt mehrere Millionen Euro für Reparatur und Instandsetzung aus – pro Jahr. Allein die Reparatur eines Displays – Hauptziel von Zerstörungswut – kostet 2000 bis 3000 Euro. Neben den 665 Geräten in der U-Bahn gibt es etwa 500 bei der Straßenbahn. Bei der S-Bahn und der Deutschen Bahn sind 518 Stück aufgestellt.