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SPD in Berlin: Michael Müller: „Ich wache nicht morgens auf und weine“

2026-02-17
In gesellschaft Vom admin

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Dass Bundestagsabgeordnete es nicht wieder ins Parlament schaffen, kommt immer wieder vor. Es ist aber eher die Ausnahme, dass sie ihr Wahlkreisbüro dann trotzdem weiter mieten. Michael Müller macht das so, Berlins ehemaliger Regierende Bürgermeister, der bis zur Wahl vor einem Jahr für die SPD im Bundestag saß. Er nennt die Büroräume in Berlin-Charlottenburg jetzt die „Setzerei“. So steht es auch an der Tür und darunter: „Politik, Kultur, Gespräche“. Was steckt dahinter?

„Ich bin Pensionär. So ist es nun mal. Ich habe die Setzerei mit meinem Veranstaltungsprogramm, aber keine andere berufliche Aufgabe“, erklärt der 61-Jährige. 

Mehr als ein Vierteljahrhundert war er in der Berliner Landespolitik, viele Jahre SPD-Fraktionsvorsitzender, dann Senator, von 2014 bis 2021 als Nachfolger von Klaus Wowereit Regierender Bürgermeister und danach Bundestagsmitglied.  

Mehr Freiheit und ein ganz anderer Tagesrhythmus

„Das war schon eine tolle Zeit und ein sehr privilegiertes Arbeiten, auch, weil ich wahnsinnig viel gelernt habe, herumgekommen bin, interessante Leute getroffen habe“, erzählt er. „Jetzt habe ich dafür mehr Freiheit. Man ist nicht mehr so fremdbestimmt.“

Als Regierender Bürgermeister werde man morgens um halb acht oder acht abgeholt. Danach sei der Tag im Stundenrhythmus bis 23.00 Uhr durchgetaktet. „Heute gibt es Tage, wo ich wirklich sagen kann: "Nein, ich schlafe jetzt mal aus und lese erst Zeitung und fahr dann ins Büro."“ 

„Was manchmal ein bisschen wehtut, ist, wenn ich im Bundestag Reden höre oder auch bei Landesparteitagen“, räumt Müller ein. „Dass ich denke: "Ach Mensch, die hätte ich gerne selbst gehalten." Aber ich wache nicht morgens auf und weine. Ich habe keinen Phantomschmerz.“

Die Landespolitik verfolgt er noch - mit Einschränkungen: „Ich will ja auch wissen, was in meiner Stadt los ist, aber nicht mehr jedes Detail. Als Regierender Bürgermeister, da wird erwartet, dass man weiß, wo eine Parkbank umgefallen ist in der Stadt. Das ist nun vorbei.“

Interne Treffen im Bundestag

„Das, was ich mitunter vermisse: Man ist im Bundestag oder als Regierender Bürgermeister natürlich näher dran und bekommt Hintergrundinformationen, die nicht in der "Tagesschau" vorkommen“, räumt Müller ein. „Ich fahre noch manchmal zu internen Treffen in den Bundestag, zum Beispiel mit Ministern. Aber ich muss jetzt sagen: "Wann findet denn das statt? Kann ich dazukommen?"“

Der 61-Jährige ist gelernter Drucker. In der Setzerei, eine Minute zu Fuß vom Ku'damm, ist das kaum zu übersehen. „Das ist die Druckmaschine, an der ich 15 Jahre mit meinem Vater zusammengearbeitet habe, bevor ich Abgeordneter wurde“, erzählt er und erklärt gleich auch, wie sie funktioniert. „Ich hänge schon noch daran. Das ist auch ein Stück Familiengeschichte.“

„Der Name Setzerei spielt auch ein bisschen damit, dass wir uns hier zusammensetzen und mit Themen auseinandersetzen.“ Demnächst ist die Direktorin des Deutschen Literaturarchivs, Sandra Richter, für einen Vortrag zu Gast. Kurz danach kommt der ehemalige SPD-Bundestags-Fraktionsvorsitzende Ralf Mützenich zu einer politischen Diskussion.  

„Das war mein Horror, dass ich zu Hause sitze und keine Aufgabe habe“, sagt Müller. Und mit der Setzerei habe er eine, die auch gesellschaftspolitisches Engagement sei. „Damit habe ich mir ein Stück weit das erhalten, was ich als Regierender oder Abgeordneter hatte.“  

Ehrenamtlich engagiert er sich unter anderem im Stiftungsrat des Jüdischen Museums und als einer der Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft, die sich mit dem Zusammenwachsen Deutschlands beschäftigt. 

Kritik an der SPD

Das Kapitel als aktiver Politiker ist für ihn aber abgeschlossen. Seinen Wahlkreis in Charlottenburg-Wilmersdorf hatte er 2021 knapp direkt gewonnen. Für die Bundestagswahl am 23. Februar 2025 bekam er in der Landes-SPD keinen aussichtsreichen Platz auf der Landesliste, direkt gewählt wurde er diesmal nicht. 

„Als die Berliner SPD gesagt hat, es reicht jetzt, hat das wehgetan, aber es ist dann auch der Punkt, an dem man das akzeptieren muss“, betont Müller. „Ich habe ja kandidiert, aber es hieß dann, dass ich nicht mehr reinpasse. Es war vor den Kulissen etwas verbrämt, aber dahinter wurde es deutlich gesagt: zu alt, zu weiß, zu rechts.“ 

Müller blickt nicht nur deswegen kritisch auf die eigene Partei: „Was ich leider auch in Richtung Berliner SPD vermisse: dass die Mischung fehlt. Also es wäre schlimm, wenn nur noch 60-jährige Ex-Bürgermeister herumrennen für die SPD“, sagt er. „Aber wenn es nur 25-jährige Politologen sind, ist es genauso schlimm.“ Die fehlende Mischung sehe er mit Sorge. „Die Partei redet über politische Inhalte, die sie personell gar nicht mehr abbildet.“

© dpa-infocom, dpa:260216-930-692246/1

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