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Musikbranche: Sein Traum: Noch mal zum ESC - Ralph Siegel wird 80

2025-10-01
In gesellschaft Vom admin

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Ralph Siegel bezeichnet sich selbst als den alten ESC-Hasen. Und der alte ESC-Hase hat einen Traum: Er will noch einmal dabei sein beim Eurovision Song Contest. „Es reizt mich einfach, nochmals mit Deutschland zu starten“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Heute wird er 80 Jahre alt. Den Runden will er im Freundeskreis groß feiern. 

Der Komponist kann auf eine lange, erfolgreiche und schlagzeilenträchtige Karriere zurückblicken, mit Höhen und Tiefen, mit Goldenen Schallplatten und finanziellen Rückschlägen. Seine Leidenschaft für die Musik ist stets geblieben.

Mehr als 2.000 Lieder hat Siegel geschrieben, nicht nur „Fiesta Mexicana“. Die Liste der Hits, die er komponiert und/oder produziert hat, scheint endlos: „Du kannst nicht immer 17 sein“, „Griechischer Wein“, „Ein bisschen Spaß muss sein“, „Moskau“ und, und, und.

Der Über-Hit „Ein bisschen Frieden“

Und dann ist da natürlich noch der Eurovision Song Contest (ESC), der früher Grand Prix Eurovision de la Chanson hieß. 1982 schaffte er es auf Platz 1, als die erst 17-jährige Sängerin Nicole mit Siegels Lied „Ein bisschen Frieden“, getextet von Bernd Meinunger, antrat. Insgesamt schaffte er zwischen 1974 und 1999 noch dreimal den zweiten, zweimal den dritten und zweimal den vierten Platz. Später, als die Top-Platzierungen ausblieben, kassierte er viel Häme. Schwamm drüber.

Ralph Siegel ist ein Musik-Enthusiast, den man sich im Ruhestand nur schwer vorstellen kann. Trotz gesundheitlicher Probleme steckt er voller Energie, das ist auch im Telefoninterview spürbar.

„Das Leben verlangt einem schon sehr viel ab, muss ich sagen. Ich bin mehr als 60 Jahre lang in diesem Beruf aktiv, da habe ich natürlich auch ein bisschen Raubbau getrieben“, bekennt er. „Wenn es früher spät wurde - und bei uns wurde es meistens sehr spät - habe ich auch gern mal zu tief ins Glas geguckt. Ich habe mich da nicht so zurückgehalten und fühle mich insofern mit 80 eigentlich ziemlich fit.“

Krebs und Herz-OP hat er überstanden. Nun macht ihm die Polyneuropathie zu schaffen. „Aber ich danke dem lieben Gott für jedes Jahr, das er mir schenkt.“ Auch, weil er mit seiner vierten Ehefrau Laura glücklich ist, wie er sagt. Der 80. Geburtstag bedeute aber auch „etwas Vergangenheitsbewältigung, weil es viele Menschen gibt, mit denen ich einen Teil meines Lebens verbracht habe, und die ich gar nicht mehr einladen kann“.

Siegel: Zu wenig deutsche Musik im Radio

Auch sonst werde er immer mal mit Erinnerungen konfrontiert: „Gerade habe ich ein ZDF-Interview von vor 40 Jahren gesehen. Da habe ich viele Dinge über die Zukunft der Musik in Deutschland vorhergesagt, nämlich dass es eines Tages 20 und mehr TV-Sender geben wird. Ich habe damals schon gesagt, dass im Rundfunk mehr deutschsprachige Künstler gespielt werden sollen.“

Siegel findet, 50 Prozent des Programms, sollten deutschsprachig sein. „Jetzt sind 40 Jahre vergangen und es ist traurig zu sehen, wie wenige Künstler es geschafft haben, diese Zeit zu überstehen.“ Natürlich seien da Udo Lindenberg und Otto, Herbert Grönemeyer und Pur. Und auch seinen Künstler sei zum Glück viel Aufmerksamkeit geschenkt worden.

Wie wenig deutsche Musik aus seiner Sicht hierzulande im Radio und Fernsehen gespielt wird, findet er „einfach unerträglich“. In Frankreich oder Italien sei das ganz anders. Er selbst könne von seiner Musik noch leben, andere könnten das nicht mehr. „Die CDs sind verschwunden. Es ist alles nur noch digital. Da sind natürlich die Anteile der sogenannten Urheber und Macher unfassbar gering und man traut sich kaum mehr, etwas zu produzieren, weil man das, was es kostet, gar nicht mehr einspielt.“

Licht am Ende des Tunnels sieht er da nicht wirklich. Fernsehshows wie einst die „Hitparade“, in der sich Künstler präsentieren konnten, gebe es nicht mehr. Chancen hätten Neueinsteiger in den Beruf heute bestenfalls noch als Singer-Songwriter, weil sie dann über Auftritte Geld verdienen könnten, meint Siegel. „Das ist natürlich toll, wenn du es schaffst, wie Howard Carpendale, Peter Maffay oder Roland Kaiser, sich so lange zu halten.“

Konzentration auf Musicals

Eine Herzensangelegenheit ist Ralph Siegel seine zweite Karriere: „Ich habe eine große Freude daran, dass mir Herbst meines Lebens noch gelungen ist, was ich mir ein Leben lang gewünscht habe: Musicals auf die Bühne zu bringen.“ Das Stück „Zeppelin“ sei ab 16. Oktober wieder im Festspielhaus in Füssen zu sehen. „Im Übrigen arbeite ich an zwei weiteren Musicals, die so gut wie fertig sind, aber das auf die Bühne zu bringen, dauert eben Jahre.“

Insgesamt sei er dem Leben sehr dankbar, sagt der Komponist. „Ich bin ein glücklicher Mensch und ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre auf dieser eigentlich doch sehr schönen Erde leben darf - und dass diese unglaublich schrecklichen Zeiten, die wir gerade erleben, vorbeigehen.“ Angesichts der schlimmen Geschehnisse in der Welt - ob Ukraine oder Gaza - sei er froh, „dass wir dieses kleine Liedchen geschrieben haben: "Ein bisschen Frieden"“.

© dpa-infocom, dpa:250930-930-102859/1

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