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Konjunktur: Bundesbank: US-Zölle bedrohen schwache deutsche Wirtschaft

2025-07-17
In wirtschaft Vom admin

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Die Bundesbank warnt vor erheblichen Belastungen für die deutsche Wirtschaft wegen der angedrohten hohen Zölle von US-Präsident Donald Trump. Sollte der angekündigte Satz von 30 Prozent auf Importe aus der EU ab 1. August in Kraft treten, wäre dies ein „beachtliches konjunkturelles Abwärtsrisiko“ für die Konjunktur, schreibt die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. Den deutschen Exporteuren drohe kurzfristig zusätzlicher Gegenwind durch die US-Zollpolitik.

Aus Sicht der Bundesbank findet die deutsche Wirtschaft keinen Weg aus ihrer Krise. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im zweiten Quartal stagniert haben, heißt es im Monatsbericht.

Noch in den ersten drei Monaten war die deutsche Wirtschaft überraschend um 0,4 Prozent gewachsen, weil Unternehmen in Erwartung von US-Zöllen Lieferungen vorzogen und die Industrieproduktion ansprang. Nun liefen die Vorzieheffekte aus, so die Bundesbank.

Brüssel ringt um Lösung

Im Zollstreit mit den USA will die EU-Kommission eine Eskalation abwenden. Vorbereitete milliardenschwere Gegenzölle auf US-Produkte hält sie in der Hoffnung auf eine Lösung am Verhandlungstisch noch zurück. Trump sprach zuletzt immerhin von Fortschritten. Im Ringen um eine Lösung reist EU-Chefverhandler Maros Sefcovic nun zu persönlichen Gesprächen mit dem Team des US-Präsidenten nach Washington. 

Derzeit gilt ein US-Basiszoll von 10 Prozent auf EU-Importe, daneben gibt es branchenspezifische Zölle wie 25 Prozent auf Autos und Autoteile und 50 Prozent auf Stahl und Aluminium. Für Deutschland sind die USA der wichtigste Exportmarkt, rund 10 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen dorthin. 

Im Juni hat die Bundesbank für die deutsche Wirtschaft 2025 eine Stagnation vorhergesagt, dabei aber einen US-Zollsatz von 10 Prozent zugrunde gelegt. Der deutschen Wirtschaft droht 2025 das dritte Jahr ohne Wachstum in Folge - das gab es noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik.

Nagel will schnelle Einigung - aber nicht um jeden Preis

Die Zollunsicherheit schade der wirtschaftlichen Entwicklung, sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel dem „Handelsblatt“. Eine zügige Einigung mit den USA müsse Ziel der EU sein, wenngleich nicht um jeden Preis. Ähnlich äußerte sich Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD). „Unsere Hand bleibt ausgestreckt, aber wir werden nicht alles mitmachen“, sagte er. 

Die Konjunktur in Deutschland sieht die Bundesbank in der Grundtendenz weiter schwach. Zwar habe sich die Stimmung in der Wirtschaft aufgehellt mit der Aussicht auf milliardenschwere Investitionen der Bundesregierung. Ein Schub für die Konjunktur werde aber erst verzögert kommen.

Zugleich bleibe die Industrie schwach ausgelastet, während Verbraucher ihr Geld zusammenhielten und die Bauwirtschaft in der Krise stecke. Der Arbeitsmarkt sei hingegen bislang stabil.

Institut: US-Zölle schmerzhaft, aber verkraftbar

Anders als die Bundesbank beurteilt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) die potenziellen Folgen der US-Zölle vergleichsweise gelinde. Ein Satz von 30 Prozent auf EU-Importe würde Deutschlands Konjunkturerholung zwar belasten, aber nicht abwürgen, heißt es in einer neuen Studie. 

Noch im Juni hatten die IMK-Experten der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung prognostiziert, dass die deutsche Wirtschaft dieses Jahr wohl um 0,2 Prozent und 2026 um 1,5 Prozent wachsen werde. Sollten die neuen US-Zölle zum 1. August greifen, wäre 2025 eine Stagnation und 2026 ein Plus von 1,2 Prozent zu erwarten, schätzen die Fachleute um Ökonom Sebastian Dullien.

Maschinenbauer halten am US-Markt fest

Verhalten positiv zeigen sich auch die deutschen Maschinenbauer. In einer Umfrage des Branchenverbands VDMA unter 936 Firmen bewerten 31 Prozent ihre aktuellen Absatzchancen in den USA als „sehr gut“ oder „gut“. Ein Viertel berichtet dagegen von schlechten oder sehr schlechten Chancen. Ähnlich positive Werte erreicht nur die Region Naher und Mittlerer Osten, während auf dem deutschen Markt oder im China-Geschäft die negativen Einschätzungen überwiegen.

© dpa-infocom, dpa:250716-930-804387/2

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