Die Bundesliga-Party des FC St. Pauli ist vorerst vorbei, der VfL Wolfsburg darf indes weiter auf Erstklassigkeit hoffen. Zwei Jahre nach dem Aufstieg ins Fußball-Oberhaus verabschiedete sich Kiezclub mit dem 1:3 (0:1) trotz einer phasenweise starken Leistung im Abstiegs-Endspiel gegen die Niedersachsen Richtung 2. Bundesliga. Dagegen retteten sich die Gäste am letzten Spieltag noch in die Relegation.
Vor 29.546 Zuschauern am ausverkauften Hamburger Millerntor hatte Konstantinos Koulierakis (37.) die Wolfsburger in Führung gebracht. Dem nach der Pause eingewechselten Abdoulie Ceesay (57.) gelang für die Gastgeber noch der Ausgleich.
Ein Eigentor des bis dahin starken St. Pauli-Torwart Nikola Vasilj (64.) sorgte für die Vorentscheidung. Wolfsburgs Kapitän Christian Eriksen (77.) konnte es sich erlauben, einen Handelfmeter nur an die Latte zu schießen. Dzenan Pejcinovic (80.) setzte für den VfL den Schlusspunkt.
Wolfsburg wartet auf seinen Relegations-Gegner
Das 0:2 (0:2) des 1. FC Heidenheim gegen Mainz 05 hatte keine unmittelbaren Folgen mehr für die Nordclubs. Die Heidenheimer stiegen als Tabellen-17. gemeinsam mit dem FC St. Pauli (18.) ab. Wolfsburg, Heidenheim und St. Pauli waren punktgleich in den letzten Spieltag gegangen.
In der Saisonverlängerung geht es für den VfL am Donnerstag und Pfingstmontag gegen den Zweitliga-Dritten um den 18. Startplatz der neuen Bundesliga-Spielzeit. Gegner werden entweder die SV Elversberg, Hannover 96 oder der SC Paderborn sein, die am Sonntag punktgleich um den direkten Aufstieg oder die Relegation kämpfen.
Enttäuschung und Ernüchterung beim FC St. Pauli
Nach dem Schlusspfiff standen, lagen oder saßen die St. Pauli-Spieler enttäuscht, erschöpft und erschüttert auf dem Rasen. Trainer Alexander Blessin versuchte, sie zu trösten. Die Wolfsburger umarmten sich indes und waren erleichtert, noch eine Chance auf den Klassenverbleib erhalten zu haben.
Dabei hatten die Hamburger lange mitgehalten. Nach 20 Minuten kam die Partie in Fahrt. Beide Teams hatten beste Chancen zur Führung. Auch im zweiten Abschnitt waren die Gastgeber mit dem VfL lange auf Augenhöhe. Erst nach dem 1:3 machte sich Resignation breit.
An Trainer bis zum Ende festgehalten
So bitter der Abstieg für Trainer Blessin, die Mannschaft und die Fans war, überraschend kam er nicht. Zwar waren die Hamburger in dem Abstiegstriell mit dem VfL Wolfsburg und dem 1. FC Heidenheim nach Punkten gleichauf, doch die Tordifferenz und der Trend sprach gegen sie. Mit der Niederlage gegen den VfL Wolfsburg blieben sie zum zehnten Mal nacheinander ohne Sieg. Schon in der Hinrunde hatten die Kiezkicker eine Serie von neun Niederlagen erlebt.
Dass die Verantwortlichen des Clubs um Präsident Oke Göttlich und Sportchef Andreas Bornemann an Trainer Blessin festhielten, war angesichts des sonst üblichen Aktionismus von Bundesliga-Vereinen in vergleichbaren Lagen bemerkenswert.
Blessin in Vorsaison noch Garant für den Klassenverbleib
Blessin war es in der Vorsaison immerhin gelungen, mit bescheidenen finanziellen Mitteln den Verein nach dem Aufstieg in der Bundesliga zu halten - erstmals seit 1996. Doch in dieser Saison lief vieles nicht mehr.
Mit 29 Toren stellte der FC St. Pauli die harmloseste Offensive der Liga. Zwar hatte der Club viele schnelle Spieler für das Umschaltspiel geholt, ein Torjäger war nicht darunter. Im Transferfenster im Winter wurde nicht reagiert.
Auch war die Abwehr nicht mehr der Garant wie in der Saison 2024/2025. Damals hatten die Hamburger die zweitwenigsten Tore (41) kassiert, diesmal waren es 18 mehr. Dazu kam in der Saison noch Verletzungspech. Zahlreiche Leistungsträger wie Kapitän Jackson Irvine fehlte über mehrere Wochen.
Kiezclub vor dem Umbruch
Klar ist, der FC St. Pauli steht nach dem Abstieg vor einem Umbruch. Der Weggang von Blessin wird erwartet. Auch wenn Göttlich vor dem Spiel noch abwiegelte. „Wir haben überhaupt keinerlei andere Signale erhalten und gesendet“, hatte er bei Sky gesagt.
Zwei Jahre Abstiegskampf haben aber dem Nachfolger von Aufstiegstrainer Fabian Hürzeler viel abverlangt. „Einen Abstiegskampf mitzuerleben, kostet extrem viel Kraft“, hatte der 52-jährige Blessin vor dem vorletzten Spieltag gesagt.
Auf dem Arbeitsmarkt Bundesliga werden nach der Saison einige Trainer-Stellen frei. Blessin hat Chancen, eine der Positionen zu ergattern. Schon vor dem Saisonfinale wurde er mit dem VfL Wolfsburg und auch dem FC Augsburg in Verbindung gebracht.
Leistungsträger werden gehen
Auch im Kader wird es einen Aderlass geben. Kiez-Helden wie Kapitän Irvine, Torwart Nikola Vasilj, Abwehrchef Hauke Wahl oder der gegen Wolfsburg erkrankt fehlende Defensiv-Allrounder Eric Smith werden kaum noch zu halten sein und haben das Interesse anderer Clubs geweckt.
Auf Sportchef Bornemann warten herausfordernde Aufgaben in den kommenden Wochen: wahrscheinlich einen neuen Trainer finden, eine neue Mannschaft zusammenstellen - und damit wieder für Partys zu sorgen. Dann allerdings in der 2. Bundesliga.
Heidenheim steigt ab
Der 1. FC Heidenheim steigt durch ein 0:2 (0:2) gegen den FSV Mainz 05 nach drei Jahren wieder aus der Fußball-Bundesliga ab. Die Aufholjagd der vergangenen Wochen konnte das Team von Trainer Frank Schmidt vor 15.000 Zuschauern nicht krönen, weil schon in der Anfangsphase alles gegen die Gastgeber lief.
Phillip Tietz brachte die Rheinhessen, für die es dank einer starken Rückrunde am letzten Spieltag sportlich um nichts mehr ging, in Führung (7. Minute). Nadiem Amiri erhöhte für den Zehnten kurz vor dem Seitenwechsel (43.). Nach dem Schlusspfiff erhielten die Heidenheimer Profis stehende Ovationen von den Fans, die Mainzer Spieler spendeten Trost.
Zu wenig Gegenwehr beim Gegentor
„Es ist ganz wichtig, dass du das richtige Denken hast. Wir freuen uns auf das Spiel und lassen uns nichts anderes einreden“, hatte FCH-Coach Schmidt vor dem Spiel bei Sky erklärt.
Doch die Vorfreude bekam früh einen Knacks, nachdem Kacper Potulski durch die Heidenheimer Defensive spazierte und Tietz bediente. Der 28-Jährige musste den Ball nur noch über die Linie köpfen. Fünf Minuten später scheiterte der Stürmer an der Latte.
Aber auch die Heidenheimer näherten sich an: Arijon Ibrahimovic vergab knapp (14.), Marvin Pieringer traf nach einer halben Stunde ebenfalls nur die Latte. Glück hatten die Gastgeber, dass auch Amiri den Ball an den Pfosten setzte (34.).
Fan-Unterstützung ungebrochen
Wenig später sprach sich das zwischenzeitliche 1:0 des Konkurrenten VfL Wolfsburg herum, obwohl die Spielstände diesmal nicht auf der Anzeigetafel eingeblendet wurden. Wie schon die ganze Saison über konnten sich die Heidenheimer Profis auch diesmal auf ihren Anhang verlassen. Trotz der teils aussichtslosen Situation ließen die Fans ihre Mannschaft nicht hängen, wurden nach dem nächsten Stimmungsdämpfer von Amiri noch lauter.
Kurz nach dem Seitenwechsel forderte Budu Siwsiwadse Elfmeter für den FCH. Doch der Unparteiische Robert Hartmann entschied sich in Absprache mit dem Videoschiedsrichter dagegen. Und auch die Heidenheimer verbuchten ihren zweiten Lattentreffer: per Kopf durch Jan Schöppner (52.). Zwar gaben sich die Schwaben nie auf, doch abrufen konnten sie die Leistungen der Vorwochen an diesem Nachmittag nicht. Auch weil vorn die Effektivität fehlte, Siwsiwadse vergab in aussichtsreicher Situation (79.).
Die Heidenheimer hatten sich schon seit Wochen auf den drohenden Gang zurück in die zweite Liga eingestellt, im packenden Abstiegskampf zuletzt aber Comeback-Qualitäten gezeigt. Mit 12 von 21 möglichen Punkten hatten sie neue Hoffnung geschöpft - inklusive des 3:3 gegen den FC Bayern München. Letztlich war die Negativserie von 15 Spielen ohne Sieg zwischen dem 6. Dezember und dem 11. April aber zu lang.
Kein gravierender Umbruch
Sportlich dürfte sich der bevorstehende Umbruch in Grenzen halten: Viele Profis haben Verträge für die 2. Bundesliga. Auch Erfolgscoach Schmidt, der am 17. September sein 20-jähriges Jubiläum feiern wird, will seinen noch bis 2027 gültigen Vertrag erfüllen. Der Gesamtetat wird sich jedoch von rund 80 Millionen Euro halbieren.
Nach Highlight-Spielen wie dem 3:2 gegen die Bayern 2024 oder in der Conference League im gleichen Jahr gegen den FC Chelsea aus London verabschiedet sich der Club von der Ostalb erhobenen Hauptes aus der Bundesliga. In der kommenden Spielzeit wird der Verein einen neuen Anlauf nehmen - mit stabilen Strukturen und einem gesunden finanziellen Fundament. (dpa)