Es war eine Szene, die so symptomatisch ist für diese Saison der Eisbären Berlin: Das Gegentor zum zwischenzeitlichen 2:3 in Köln am Mittwochabend barg schon eine große Menge an Frustpotenzial. Aber als Torwart Jake Hildebrand mit schmerzverzerrtem Gesicht vor dem verrutschten Tor liegen blieb und wenig später vom Eis humpelte, musste man davon ausgehen, dass sich der US-Amerikaner erneut schwer verletzt hat – nachdem er am Sonntag erst sein Comeback in der Starting Six nach einer Verletzung gefeiert hatte.
Yannick Veilleux kehrt nach Sperre ins Team zurück
Am Sonntag hatte es bereits Lean Bergmann schwer erwischt. Nach einem Kniecheck von Juhani Tyrväinen hatte sich der Stürmer so schwer am Bein verletzt, dass er sogar den Start der kommenden Saison verpassen wird.
Der Wind in dieser Play-off-Halbfinalserie zwischen den Eisbären und den Haien hat sich ohnehin wieder gedreht. Durch den Kölner Siegtreffer zum 4:3 in der Verlängerung steht es nun 2:2 in dieser Serie. Die Eisbären können am Freitagabend in der heimischen Arena (19.30 Uhr) wieder vorlegen. Aber es steht fest, dass dieses packende Duell auf jeden Fall in Köln entschieden wird – entweder in Spiel sechs am Montag oder eben in Spiel sieben am kommenden Mittwoch.
„Wir sind sensibilisiert, dass jemand für seine Mannschaft besonders häufig einsteht, wenn es zu einem Bandencheck oder etwas Ähnlichem kommt.“
André Schrader, DEL-Schiedsrichter
Der Ausfall der beiden Leistungsträger könnte dabei durchaus eine Rolle spielen. Bergmann bringt viel Energie ins Spiel der Berliner und scheut keine Auseinandersetzung. Wenn es in einer Serie immer mehr in Richtung Entscheidung geht, spielen auch physische Faktoren zunehmend eine Rolle.
Yannick Veilleux darf nach zwei Spielen Sperre zwar wieder mitmischen. Allerdings ist es bei dem Kanadier stets ein Drahtseilakt zwischen zulässiger und übertriebener Härte. Weil seine Zündschnur als besonders kurz gilt, gilt er als Störenfried und wird entsprechend hart sanktioniert.
Der international sehr anerkannte Schiedsrichter André Schrader, der auch bei den Olympischen Spielen gepfiffen hat, sagte in einem Interview mit dem Tagesspiegel: „Wir bereiten uns intensiv auf beide Teams vor und kennen natürlich die Spieler. Für uns ist es wichtig, dass wir auf dem Eis nicht überrascht werden.“
Wenn Spieler mit einem „auffälligen Stil“ ihre Einsatzzeit bekommen, sagt Schrader, „sind wir sensibilisiert, dass jemand für seine Mannschaft besonders häufig einsteht, wenn es zu einem Bandencheck oder etwas Ähnlichem kommt.“
Spannend wird zu sehen sein, ob die Kölner versuchen werden, Veilleux bewusst zu kitzeln. Als sie im dritten Spiel teilweise völlig unterlegen waren, versuchten sie jedenfalls offensichtlich, die Eisbären aus dem Konzept zu bringen. Ein ziemlich wüster Stockschlag auf die Hand von Jonas Müller blieb dabei erstaunlicherweise ohne Konsequenz.
Jonas Stettmer rückt wieder in den Fokus
Hildebrands Ausfall trifft die Eisbären ebenfalls schwer. Ausgerechnet in den so stressigen und hektischen Play-off-Spielen strahlt er eine große Ruhe und Sicherheit aus. Auch wenn Eisbärentrainer Serge Aubin auf das offene Torwartduell in seinem Team verweist, ist Hildebrand sein bevorzugter Schlussmann, wenn es darauf ankommt.
Man wüsste natürlich zu gerne, wie es aktuell in Jonas Stettmer aussieht. Im vergangenen Jahr hatte der Bayer ein starkes Viertelfinale gegen Straubing gespielt, verletzte sich dann aber. Hildebrand spielte für den Rest der Saison.
Auch in diesem Jahr stand er gegen Straubing im Viertelfinale zwischen den Pfosten, wurde beim 1:5 in Köln in Spiel zwei nach drei Gegentoren aber ersetzt. Und es sah zunächst danach aus, als ob er auch in diesem Jahr eher eine Zuschauerrolle einnehmen muss, wenn es darauf ankommt.
Durch Hildebrands Verletzung wird er in dieser so wichtigen Phase eine entscheidende Rolle einnehmen. 90,94 Prozent der Schüsse hat Stettmer bislang abgewehrt. Kölns Schlussmann Janne Juvonen steht bei 93,17 Prozent. Allerdings wirkt er bislang auch nicht als der nur ganz schwer zu überwindende Gegner für die Berliner, zu dem er vor dieser Serie teils überhöht wurde. Bei beiden Spielen in Berlin agierte er fehlerhaft.
Besonders spannend ist die Personalie Stettmer auch deshalb, weil laut „Bild“-Zeitung bereits feststeht, dass er die Eisbären nach dieser Saison verlassen wird und wohl nach Ingolstadt zurückkehrt, um sich nach langem Anlauf als Nummer eins durchzusetzen.
Jake Hildebrand könnte auch sein letztes Spiel im Trikot der Eisbären bestritten haben. Gerüchten zufolge soll er in Mannheim anheuern. Für den Fall, dass die Eisbären das Finale erreichen und dort auf die Adler treffen, hätte das natürlich einen Beigeschmack.