Als die Eisbären gerade frisch in diese Play-offs gestartet waren, musste man sich zunächst Sorgen um Moritz Kretzschmar machen. Im zweiten Spiel der Viertelfinalserie gegen die Straubing Tigers wurde der 19 Jahre alte Berliner Verteidiger vom Straubinger Routinier Marcel Brandt übel gecheckt und wirkte anschließend benommen.
Doch die anfängliche Sorge, dass dem aufstrebenden Abwehrspieler etwas Ernsthaftes passiert sein könnte, war schnell verflogen. „Ich habe mit der Nase ein bisschen die Bande geküsst, aber mir ging’s gut“, sagte er über die Situation.
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Inzwischen ist er ein essenzieller Baustein des sehr erfreulichen Play-off-Zwischenstandes aus Sicht der Eisbären. Dank seiner ersten beiden Treffer in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) war der Berliner Senkrechtstarter der Matchwinner beim 6:3 (2:1, 3:1, 1:1) gegen die Kölner Haie im ersten Halbfinale am Mittwochabend vor 13.822 Zuschauenden in der Arena.
Ein Angriff, wie er dem Trainer gefallen muss
Beim 2:0 nahm er die exakte Vorlage seines Abwehrpartners Adam Smith, der kurz zuvor das 1:0 erzielt hatte, auf und drosch den Puck fulminant ins Kölner Tor. Und beim 5:2 vollendete er einen Spielzug, wie ihn sich Trainer Serge Aubin nur wünschen kann. Nach einem starken Forecheck mit Liam Kirk und Andreas Eder schloss Kretzschmar ab.
„Für mich ist das ein sehr schöner Moment, den ich nicht vergessen werde“, sagte Kretzschmar über den Abend, „aber der Fokus liegt darauf, dass wir dieses Spiel gewonnen haben.“ Smithi, wie er seinen Kollegen nennt, habe ihn gesehen, „und dann habe ich nicht nachgedacht, sondern einfach gemacht“, beschrieb er seine Torpremiere.
„Moritz hat die zwei Chancen genutzt, die sich ihm geboten haben“, sagte Aubin anschließend, „aber das Toreschießen ist nicht sein Hauptfokus.“ Dennoch lobte der Kanadier den Mann des Abends als „einen sehr guten Spieler, der hart arbeitet.“
Zwischendurch durften die Play-off-Altmeister ihr Können unter Beweis stellen. Marcel Noebels, der dieser Tage seine letzten Spiele für die Eisbären bestreitet, traf zum 3:1 – mit seinem dritten Play-off-Tor in diesem Jahr. Jonas Müller, der so viel auf dem Eis steht wie kein anderer Berliner, traf zum 4:1. Jahr für Jahr hat er seine besonderen offensiven Play-off-Momente.
Valtteri Kemiläinen (1:2) und Patrick Russell in Unterzahl (2:4) sowie Gregor MacLeod (3:6), der unmittelbar auf den sechsten Berliner Treffer durch Les Lancaster antwortete, sorgten für kleine Kölner Lichtblicke. Dennoch hatte man keineswegs den Eindruck, dass das dominante Team der Hauptrunde hier als vermeintlicher Favorit auftritt. Die Eisbären kamen stark aus der Kabine und zeigten über das gesamte Spiel einen reifen Eindruck.
Gegen Straubing wirkten die Eisbären punktuell anfällig, aber sie zeigten schon hier ein ganz anderes Gesicht als in der Hauptrunde. In diesem ersten Halbfinalspiel machten sie nun deutlich, warum sie in der entscheidenden Phase der Saison so gefürchtet sind. Und dass ein junger Verteidiger wie Kretzschmar dieses Niveau annehmen kann, als wäre es das Normalste auf der Welt.
Ich denke gar nicht so viel darüber nach. Ich glaube, das realisiert man erst, wenn man die Saison irgendwann Revue passieren lässt.
Moritz Kretzschmar über seine erste Saison bei den Eisbären
„Ich denke gar nicht so viel darüber nach“, sagte er, „ich glaube, das realisiert man erst, wenn man die Saison irgendwann Revue passieren lässt. Ich bin früher selbst gewesen und spiele meine erste richtige Saison.“
Am 7. Oktober feierte Kretzschmar sein Debüt für die Eisbären, aber erst kurz vor den Play-offs ergatterte er sich eine festere Rolle im Team. Den steilen Aufstieg der letzten Woche bekomme er „mehr durch meine Eltern oder meine Oma mit“, sagte er, „die extrem stolz sind, weil sie selbst früher geschaut haben. Wenn der Sohn oder Enkel mitspielt, ist das etwas sehr Schönes.“
In den Play-offs musst du versuchen, normal zu denken, obwohl ein paar Emotionen mehr im Spiel sind und der Druck größer ist.
Adam Smith über die Tipps, die er seinem jungen Kollegen gibt
Verteidigerkollege Smith, mit dem Kretzschmar an diesem Abend auch offensiv brillierte, ist für ihn ein wichtiger Orientierungspunkt. „Er hilft mir sehr, egal, ob es gut oder schlecht läuft. Er spricht gut mit mir, das hilft mir sehr.“
„Er ist ein fantastischer Junge“, lobte Smith Kretzschmar in vollen Zügen. „Ich war ja auch mal ein junger Spieler und kann ihm hoffentlich ein paar Tipps geben. In den Play-offs musst du versuchen, normal zu denken, obwohl ein paar Emotionen mehr im Spiel sind und der Druck größer ist.“ Es wirkt so, als hätte Kretzschmar das umfassend verinnerlicht.
Ein deutlicher Sieg muss auch Warnung sein
Die Eisbären wissen natürlich aus eigener Erfahrung, dass ein überzeugender Auftritt im ersten Spiel einer Serie mit Vorsicht zu genießen ist. Nicht nur im Viertelfinale gegen Straubing, sondern regelmäßig in früheren Jahren waren sie es, die zum Start einer Serie einen Tiefschlag hinnehmen mussten – wie ein 1:7 gegen Mannheim vor zwei Jahren.
Aber man konnte sich stets darauf verlassen, dass die Eisbären eine Reaktion zeigen. Jetzt sind eben die Kölner dran, auf eine Antwort hinzuarbeiten. Durch die geänderte Ansetzung aufgrund der Auslastung in der Kölner Arena, müssen sie zu Hause dem Druck am Freitag (19.30 Uhr, Magentasport) standhalten. Die Sehnsucht nach dem ersten Titel seit 2002 ist gewaltig.
Kölns Torwart Janne Juvonen, der vor dem Serienstart als eine Art Endgegner für die Eisbären galt, stand nur die ersten zwei Drittel im Tor, weil er mehrfach nicht gut aussah. Felix Brückmann spielte die letzten 20 Minuten. „Wir mussten etwas verändern, aber es hat nichts geholfen“, sagte Trainer Kari Jalonen.
Die Kölner mussten feststellen, wie schwer diese Eisbären aufzuhalten sind, wenn sie ins Rollen kommen. Und sogar ein 19 Jahre alter Verteidiger einen Doppelpack erzielen kann.