Eine bessere Einstimmung auf die Weltmeisterschaft hätte sich Derrick Köhn eigentlich kaum wünschen können. In seinem erst dritten Länderspiel für Ghana war dem gebürtigen Hamburger vergangene Woche erstmals ein Assist gelungen, und das noch gegen sein Geburtsland Deutschland.
Entsprechend stolz blickte der Verteidiger des 1. FC Union dann auch eine knappe Woche später darauf zurück. „Es haben mir viele geschrieben und Glückwünsche gesendet. Das war für mich persönlich etwas, woraus ich viel Selbstvertrauen mitnehmen kann und das hat man am Wochenende gegen St. Pauli ein Stück weit gesehen“, sagte Köhn bei einer Medienrunde am Dienstag.

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Eine bittere Note gab es trotzdem. Denn nur zwei Stunden nach dem Abpfiff in Stuttgart wurde Nationaltrainer Otto Addo vom ghanaischen Verband entlassen. Der Mann, der aus der gleichen Stadt wie Köhn kommt und ihn überhaupt erst in die Nationalelf befördert hatte, war plötzlich weg. Rund zwei Monate vor dem Start der WM-Endrunde ist Köhns Teilnahme plötzlich wieder wacklig.
„Mit Otto Addo war ich sehr, sehr nah verbunden“, sagte Köhn. „Es tut mir persönlich auch sehr weh, weil ich weiß, dass Otto ein guter Trainer ist, aber vor allem ein sehr guter Mensch. Manchmal ist es so im Fußball, es geht schneller als man denkt.“
Mit dem Deutsch-Ghanaer Addo als Chef konnte sich Köhn sehr schnell in der Nationalmannschaft akklimatisieren. Nun muss er ebenso schnell mit Addos Nachfolger zurechtkommen. Und wie er am Dienstag zugab, habe er sich tatsächlich schon Gedanken gemacht, ob das seine WM-Chancen gefährden könnte. „Es kommt jetzt ein neuer Trainer, der bringt seine eigene Philosophie mit und weiß, was für ein Team er aufstellen will“, sagte der Union-Spieler.
Löw ist mit Deutschland Weltmeister geworden. Wenn er der neue Trainer wird, dann würde ich mich freuen.
Derrick Köhn über den ehemaligen deutschen Bundestrainer Joachim Löw
Wer der neue Trainer am Ende wird, ist noch unklar. Einen persönlichen Favoriten dürfte Köhn aber jetzt schon haben. Laut ghanaischen Medienberichten soll der Verband nämlich auch den früheren Bundestrainer Joachim Löw im Visier haben.
Für ihn und die anderen Nationalspieler mit deutschem Hintergrund wie Ransford Königsdörffer oder Patric Pfeiffer wäre das natürlich „etwas Besonderes“, sagte Köhn. „Löw ist mit Deutschland Weltmeister geworden. Wenn er der neue Trainer wird, dann würde ich mich freuen.“
Das bleibt aber voraussichtlich nur eine nette Vorstellung. Schon vergangene Woche hat Löw jeglichen Kontakt zum Verband dementiert und es kursieren andere Namen wie Walid Regragui oder Kwesi Appiah. Köhn bleibt nichts anderes übrig, als mit guten Leistungen bei Union auf sich aufmerksam zu machen.
Da ist er aber immerhin guter Dinge. Nach fünf Karrierestationen in den vergangenen vier Jahren habe er in Berlin „ein Zuhause gefunden“, wo er „zur Ruhe gekommen“ sei. Trotz Gerüchten über einen Sommerwechsel nach Italien sei er in Berlin „sehr, sehr glücklich“ und möchte Union auch als Sprungbrett für die WM nutzen.
„Ich möchte den Klassenerhalt mit Union schaffen, Woche für Woche spielen und mich einfach für den WM-Kader bei Ghana empfehlen“, sagte der 27-Jährige. „Ich glaube, wenn ich hier erstmal die Bausteine lege, dann ist es einfacher, zur WM zu fahren.“
Wie einfach es bei der WM werden würde, ist eine andere Frage. Trotz einer stabilen WM-Qualifikation hat Ghana jüngst auch einige Rückschläge erlebt. Zuletzt verpassten die „Black Stars“ zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder die Qualifikation für den Afrika-Cup, 2026 gab es dann auch die vier Niederlagen, was Addo am Ende den Job gekostet hat. Bei der WM hat das Team mit England, Kroatien und Panama dazu eine äußerst schwierige Gruppe erwischt.
Köhn bleibt aber entspannt. Denn schon die letzten Wochen haben ihm gezeigt, dass im Fußball wenig wirklich sicher ist. „Ich bin überzeugt, dass wir ein wirklich gutes Team haben“, sagte er deswegen auch optimistisch, denn: „Bei einer Weltmeisterschaft ist alles möglich.“