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Tempo, Risiko und Kollisionen: Mehr Action als beim Short Track gibt es bei Olympia nicht

2026-02-17
In sport Vom Benedikt Paetzholdt

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Am Montagfrüh offenbarten sich alle Reize, die der Short Track zu bieten hat. Genau dort, wo am Abend Minerva Hase und Nikita Wolodin in der Kür im Paarlaufen nach der Goldmedaille greifen, kam es zu aufreibenden Wettfahrten. 111,12 Meter Strecke müssen die wendigen Sportlerinnen und Sportler pro Runde zurücklegen. Und dabei kann einiges passieren.

In der Vorrunde der Männer über 500 Meter rauschten gleich mehrfach drei von vier Läufern erst ineinander und dann in die weiche Streckenbegrenzung. Und es wurde immer mit Spannung erwartet, wen die Schiedsrichter bestraften, weil sie den Sturz verursacht hatten. Der Italiener Pietro Sighel blieb nach einer Kollision spektakulär auf den Beinen und fuhr sogar rückwärts über die Ziellinie.

Der Italiener Pietro Sighel fährt rückwärts über die Ziellinie.

© Imago/Xinhua/Chen Yichen

Besonders eindrucksvoll geht es bei den Staffeln zu, weil es zusätzlich die Herausforderung gibt, sich beständig abzuwechseln. Die Eisfläche wirkt wie ein bewegtes Wimmelbild.

Anm Montagvormittag waren die Männer über 500 Meter mit den Vorläufen und die Frauen über 1000 Meter dran – vom Viertelfinale bis zur Medaillenentscheidung. Hinzu kam das Halbfinale der Männer in der Staffel über 5000 Meter.

Steven Bradbury sorgte für einen besonderen Moment

Die Zuschauenden bekommen mit drei unterschiedlichen Wettbewerben also anhaltend Spannendes geboten in dieser Sportart. Und weil ein Lauf den nächsten jagt, gibt es kaum Verschnaufpausen. Die Fans klatschen, pfeifen und raunen. Und halten den Atem an, denn nicht mal die größten Stars sind davor gefeit, in eine Kollision verwickelt zu werden.

2002 in Salt Lake City gewann Steven Bradbury eine der spektakulärsten olympischen Goldmedaillen. Der Australier ging wahrlich nicht als Favorit ins Rennen, aber weil um ihn herum alle purzelten, kam er praktisch ohne Gegenwehr ins Ziel.

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„Jeder, der Shorttrack mal im Fernsehen gesehen hat, merkt: Das ist eine schnelle, rasante Sportart“, sagt Bianca Merker, die noch unter ihrem Geburtsnamen Walter 2010 Europameisterin in der Staffel wurde und 2018 bei den Olympischen Spielen in Südkorea teilnahm. Mittlerweile kommentiert sie als Expertin für Eurosport die Rennen.

Du musst als Läuferin oder Läufer die ganze Zeit hellwach sein im Kopf.

Bianca Merker, frühere Shorttrackerin und TV-Expertin

Die Sportart zeichnet sich ihrer Meinung nach genau dadurch aus, dass jederzeit etwas passieren kann. „Du musst als Läuferin oder Läufer die ganze Zeit hellwach sein im Kopf“, sagt Merker. „Du musst nicht nur gegen die Zeit laufen, sondern auch agieren können.“ Mut, Risikobereitschaft und „Gefühl für Situationen“ seien entscheidend – nicht nur körperliche Fitness.

Dass sie die Atmosphäre als elektrisierend beschreibt, wird auch an diesem Vormittag bei Olympia deutlich. „Das liegt auch daran, dass bei allen Spielen etwas Besonderes passiert, das in Erinnerung bleibt.“

2002 erfolgte der beschriebene Bradbury-Moment, der noch heute ein gängiger Begriff in der Szene ist. 2018 richtete Südkorea die Winterspiele aus, wo Short Track als eine Art Religion gilt. Weil Shim Suk-hee im Viertelfinale genauso stürzte wie das Männerteam in der Staffel über 5000 Meter, sorgte das für eine Art Staatstrauer.

Anna Seidel beendete ihre Karriere mit 25 Jahren

Aktuell in Mailand hat die Italienerin Arianna Fontana den Olympiasieg mit der Mixed-Staffel und Silber über 500 Meter gewonnen. Womit sie ihre Landsleute sehr glücklich machte. Über die 1000 Meter kam sie allerdings als Vierte ins Ziel. Xandra Velzeboer gewann für die Niederlande bereits die vierte Medaille im Short Track.

Deutsche Athletinnen und Athleten konnten sich nicht für die Winterspiele qualifizieren. Vor vier Jahren war Anna Seidel noch dabei. Der langjährige Shootingstar dieser Sportart in Deutschland beendete 2023 nach schweren Verletzungen ihre Karriere, mit nur 25 Jahren.

Die Staffel ist wie ein bewegtes Wimmelbild.

© AFP/Wang Zhao

In Mailand ist sie als ZDF-Expertin und als Unterstützung ihres Freundes Moritz Seider dabei. Der NHL-Verteidiger ist mit der Eishockey-Nationalmannschaft am Dienstag in der Relegation gegen Frankreich gefordert (12.10 Uhr, ARD und Eurosport).

Weitere Entscheidungen im Short Track

  1. 18. Februar: 500 Meter Männer und 3000 Meter Staffel Frauen, ab 20.15 Uhr (ZDF und Eurosport)
  2. 20. Februar: 1500 Meter Frauen und 5000 Meter Staffel Männer, ab 20.15 Uhr (ZDF und Eurosport)

Die Olympischen Winterspiele werden live im TV bei Eurosport übertragen, alle wichtigen Momente finden sich im Streaming bei HBO Max.

Merker hatte bereits 2022 mit dem Sport aufgehört, nachdem sie sich nicht für die Spiele in Peking qualifizieren konnte. Es ist ihr großer Wunsch, dass auch die deutschen Shorttracker zukünftig für mehr Spektakel international sorgen können. „Ich hoffe und habe das auch so im Gefühl, dass sie im Nachwuchsbereich gerade sehr, sehr viel arbeiten“, sagt sie.

Dresden ist aktuell die Hochburg dieses Sports in Deutschland. Wer Ambitionen hat, kommt nicht umhin, hier zu trainieren. „Aber je mehr wir zentralisieren, desto weniger werden die anderen Standorte gefördert“, sagt Merker.

Das aktuelle Spektakel in Mailand zeigt einmal mehr, dass Short Track in Deutschland unterschätzt wird. Ein derart kurzweiliges und actiongeladenes Programm über einen ganzen Vormittag hinweg, hat kaum eine andere Sportart zu bieten.

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