Gelebte Fanfreundschaft auf den Zuschauerrängen und ein mitreißendes Spektakel auf dem Platz: Hertha BSC hatte bei und nach der Auswärtspartie beim Karlsruher SC wenig Grund zur Freude. Der Berliner Fußball-Zweitligist konnte zwar erstmals in dieser Saison nach einem Rückstand punkten, hätte das Spiel aber angesichts der Überlegenheit in der zweiten Hälfte und einiger guter Gelegenheiten gewinnen können oder sogar gewinnen müssen.
Beide Mannschaften trennten sich am Samstag 2:2 (2:1). Für Hertha war es bereits das vierte Unentschieden nacheinander und das fünfte Spiel ohne Sieg. Die Berliner bleiben damit in der Tabelle auf Platz sieben stecken. Der Abstand auf den direkten Aufstiegsrang aber hat sich bereits auf mindestens sieben Punkte vergrößert.
„Wir hätten heute gewinnen müssen“, sagte Kapitän Fabian Reese. Vor allem angesichts der Ambitionen, die der Klub hat. Die Rückkehr in die Bundesliga ist das Ziel. Dafür aber war Herthas Ertrag zuletzt zu dürftig. „Wir bringen uns um den verdienten Lohn – Woche für Woche“, sagte Reese, der an beiden Toren seiner Mannschaft beteiligt war. Das 1:1 erzielte er selbst, das 2:2 bereitete er exzellent vor.
Zeefuik fehlt nächste Woche gegen Darmstadt
Begleitet von Solidaritätsbekundungen auf den Rängen nach den Gewaltvorfällen zwischen Fans und der Polizei vor einer Woche beim Spiel der Berliner gegen den FC Schalke 04 (0:0) sorgten beide Teams von Beginn an für Unterhaltung auf dem Feld. Es ging von Anfang an ordentlich zur Sache. Herthas Rechtsverteidiger Deyovaisio Zeefuik sah bereits nach 13 Sekunden die Gelbe Karte. Es war seine fünfte in dieser Saison. Dadurch wird er nächste Woche im Heimspiel gegen den Tabellenzweiten Darmstadt 98 gesperrt fehlen.
Auch das erste Gegentor fiel denkbar früh. Nach einem Ballverlust der Berliner im Spielaufbau schalteten die Karlsruher gut um. Fabian Schleusener brachte die Gastgeber in der 7. Minute mit dem ersten Torschuss des Spiels vor 33.180 Zuschauern früh in Führung.
Aber Hertha hatte eine schnelle Antwort auf den Rückstand, der ebenfalls von einem Fehler des Gegners begünstigt wurde. Kevin Sessa, der den verletzten Kennet Eichhorn auf der Doppelsechs ersetzte, luchste Karlsruhes Kapitän Marvin Wanitzek den Ball ab und bediente Fabian Reese, der mit einem präzisen Schuss zum 1:1 traf. Es war das erste Mal in dieser Saison, dass Hertha nach einem Rückstand der Ausgleich gelang.
Karlsruher SC - Hertha BSC 2:2 (2:1)
Karlsruher SC: Bernat - Jung, Franke, Scholl, Herold - Burnic (90. Opitz), A. Müller (82. Wäschenbach), Förster (76. Pinto Pedrosa), Wanitzek - Ben Farhat (75. Egloff), Schleusener (90. Ambrosius).
Hertha BSC: Ernst - Zeefuik (77. Eitschberger), Gechter, Dardai, Karbownik - Sessa (66. Kownacki), Seguin - Winkler (66. Dudziak), Cuisance, Reese - Schuler (86. Grönning).
Schiedsrichter: Bauer (Neuhofen).
Zuschauer: 33.180 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Schleusener (7.), 1:1 Reese (20.), 2:1 S. Jung (26.), 2:2 Dudziak (79.).
Der KSC aber machte nach dem Rückschlag weiter Druck. Philipp Förster scheiterte mit seinem Schuss am Pfosten, nachdem er vor Herthas Strafraum nahezu unbedrängt hatte abschließen können. Kurz darauf aber gingen die Karlsruher erneut in Führung: durch einen sehenswerten Treffer von Routinier Sebastian Jung, der nach einer abgewehrten Ecke mit einem Volleyschuss aus 24 Metern traf.
Herthas Torhüter Tjark Ernst, nach seiner Grippe zurück in der Startelf, bewahrte sein Team vor und nach der Pause mit guten Paraden vor einem höheren Rückstand. Insgesamt aber waren die Berliner in der zweiten Hälfte die bestimmende Mannschaft. Doch wieder einmal mangelte es Hertha an Durchschlagskraft. Luca Schuler lief zweimal – einmal vor der Pause, einmal danach – allein auf Torhüter Hans-Christin Bernat zu und scheiterte zweimal kläglich.
Trainer Stefan Leitl brachte von der Bank frische Kräfte. Und tatsächlich war es ein eingewechselter Spieler, der die Berliner vor einer möglichen Niederlage bewahrte. Jeremy Dudziak, der erst vor einer Woche nach fast anderthalb Jahren sein Comeback für Hertha BSC gefeiert hatte, traf zehn Minuten vor dem Ende nach famoser Vorarbeit von Reese zum verdienten 2:2-Endstand. (dpa/Tsp)