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Hinten kompakt, Tore durch Standards: Borussia Dortmund schlägt Union mit den eigenen Waffen

2026-01-25
In sport Vom Julian Graeber

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Wenn eine Mannschaft ein Spiel durch zwei Tore nach ruhenden Bällen gewinnt und ansonsten vor allem durch kompaktes Verteidigen auffällt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der 1. FC Union Berlin beteiligt ist. Das war auch am Samstagabend der Fall, allerdings für die Köpenicker mit ungewohntem Ausgang.

Gegen den Tabellenzweiten Borussia Dortmund verlor Union vor 22.012 Zuschauenden im Stadion An der Alten Försterei 0:3 (0:1). Die Treffer erzielten Emre Can per Elfmeter, Nico Schlotterbeck nach einem Eckball – und Maximilian Beier in der Schlussphase. „Ich finde nicht, dass das Spiel in dieser Höhe hätte ausgehen müssen“, sagte Unions Mittelfeldspieler Aljoscha Kemlein. „Aber der BVB hat gezeigt, was ein Topteam ausmacht, und uns in den entscheidenden Situationen eiskalt erwischt.“

Der BVB hat gezeigt, was ein Topteam ausmacht, und uns in den entscheidenden Situationen eiskalt erwischt.

Aljoscha Kemlein

Während für die Berliner damit eine Serie von fünf Spielen ohne Niederlage endet und sie im Mittelfeld der Tabelle bleiben, verkürzt Dortmund den Rückstand auf Tabellenführer Bayern München auf „nur“ noch acht Punkte.

Beim BVB hatte es nach den vergangenen Spielen gegen St. Pauli (3:2) und bei Tottenham (0:2) einige Unruhe gegeben. Auf der einen Seite aufgrund der stockenden Vertragsverlängerung von Nationalspieler Schlotterbeck. Auf der anderen wegen der jüngsten Leistungen. Im Vergleich zum schwachen Champions-League-Spiel am Dienstag wechselte Niko Kovac auf vier Positionen und rotierte gegen seinen Ex-Klub auch Julian Ryerson in die Startelf.

1. FC Union Berlin - Borussia Dortmund 0:3 (0:1)

Union: Rönnow - Doekhi, Querfeld, Leite (76. Burke) - Haberer (86. Trimmel), Khedira, Kemlein (76. Schäfer), Juranovic (66. Nsoki) - Jeong, Ansah (66. Burcu) - Ilic.
Dortmund: Kobel - Can (69. Anselmino), Anton, Schlotterbeck - Ryerson (90.+2 Mane), Bellingham, Nmecha (90.+3 Özcan), Svensson - Beier, Silva (79. Chukwuemeka) - Guirassy.
Schiedsrichter: Hartmann.
Zuschauer: 22.012 (ausverkauft).
Tore: 0:1 Can (10./Foulelfmeter), 0:2 Schlotterbeck (53.), 0:3 Beier (84.).

Für Steffen Baumgart bestand nach dem 1:1 in Stuttgart und insgesamt fünf Spielen ohne Niederlage weniger Handlungsbedarf. Für Livan Burcu und András Schäfer begannen Ilyas Ansah und Woo-yeong Jeong. Kapitän Christopher Trimmel, der unter der Woche seinen Vertrag verlängert hatte, saß anfangs auf der Bank.

Unions Fans feierten den Vereinsgeburtstag mit einer Choreo – und Bengalos.

© imago/Sebastian Räppold

Das erste Highlight gab es schon vor dem Anpfiff. Am Dienstag war Union 60 Jahre alt geworden und das feierten die Berliner Fans mit einer großen Choreo ganz im Zeichen der Schlosserjungs aus Oberschöneweide. „Eine Legende nahm ihren Lauf, ein Mythos begann zu leben“, war auf der Waldseite zu lesen, dazu die Jahreszahl 1906, als der Vorgängerverein Union Oberschöneweide gegründet wurde.

In den Jubiläumstrikots legte Union engagiert los und lief den BVB hoch an. Nach einer Freistoßflanke von Josip Juranovic bot sich Andrej Ilic in der sechsten Minute die Chance auf sein erstes Saisontor, doch sein Kopfball geriet zu zentral.

Querfeld wackelt

60 Sekunden später leisteten sich die Berliner allerdings eine fatale Fehlerkette. Im Mittelfeld klaffte eine große Lücke und so hatte Serhou Guirassy viel Platz. Dortmunds Stürmer legte sich den Ball zu weit vor, doch Leopold Querfelds Klärungsversuch landete direkt wieder in Guirassys Laufweg und Frederik Rönnow kam bei seinem Rettungsversuch den Bruchteil einer Sekunde zu spät. Es gab Elfmeter und BVB-Kapitän Can verwandelte souverän.

Das frühe Gegentor hinterließ bei Querfeld Spuren und so hätte der österreichische Innenverteidiger mit einem kapitalen Ballverlust am eigenen Strafraum beinahe das 0:2 verursacht. Doch Guirassy kam nach Pass von Felix Nmecha nicht zum Abschluss und Querfeld machte seinen Fehler mit einer guten Grätsche wett.

Diogo Leite (l.) gegen Dortmunds Maximilian Beier.

© dpa/Soeren Stache

Ansonsten sah es aber gar nicht schlecht aus, was die Berliner machten. Auf dem neu verlegten Rasen lief der Ball besser – und im Gegensatz zum vorherigen Kartoffelacker auch mal flach. Allerdings zeigte sich dabei der altbekannte Mangel in Unions Spiel: Gegen eine geordnete Defensive tut sich das Team von Baumgart sehr schwer damit, Torchancen herauszuarbeiten.

Gefährlich wurde es nur nach Standardsituationen, die Juranovic in Abwesenheit von Trimmel mit viel Schnitt in den Strafraum schlug. Nach einer halben Stunde fand eine dieser Flanken Diogo Leite, doch auch der portugiesische Innenverteidiger köpfte zu zentral auf Kobel.

Es wird hitzig

Der BVB spielte wie so oft in dieser Saison: defensiv solide, aber auch sehr passiv. Nach vorne kam vom Tabellenzweiten, der der Bundesliga nach der überraschenden Niederlage des FC Bayern zumindest so etwas wie die Illusion von Spannung im Rennen um die Meisterschaft zurückgeben wollte, sehr wenig. Kovac konnte damit angesichts des Spielstandes von 1:0 leben, das kritische Umfeld beim BVB vermutlich weniger. Mit der knappen Führung für die Gäste ging es in die Pause.

In den vergangenen drei Spielen hatte Union nach Rückständen jeweils noch einen Punkt geholt, doch die Hoffnung auf eine erneute Aufholjagd bekam schnell einen Dämpfer. Einen Flachschuss von der Strafraumgrenze durch Jobe Bellingham konnte Rönnow noch aus dem Eck kratzen, doch beim anschließenden Eckball war der Däne machtlos. Schlotterbeck köpfte gegen seinen Ex-Klub am langen Pfosten ein. Das Reklamieren der Berliner aufgrund eines vermeintlichen Fouls an Ansah war vergeblich.

Das Spiel wurde nun hitziger. Emre Can löste mit einem Stoß gegen Janik Haberer eine Rudelbildung aus und sah die Gelbe Karte – zu wenig für Aktive und Fans von Union. In den Strafräumen ging es allerdings deutlich weniger intensiv als in den Zweikämpfen zu und so versuchte Baumgart, von außen neue Impulse zu setzen.

Doch anders als in den vergangenen Spielen fruchteten die Einwechslungen an diesem eisigen Köpenicker Nachmittag nicht. Beier sorgte mit einem Flachschuss in der 84. Minute für den Schlusspunkt.

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