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Mit Gold geht’s in die Königsloge

2025-03-09
In sport Vom admin

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Wer in Norwegen auf zwei schmalen Langlaufbrettern ein bedeutendes Rennen gewinnt, verdient sich nicht nur eine Medaille, sondern zu besonderen Gelegenheiten auch einen Handschlag mit dem König. Oder mit dem Kronprinzen, falls König Harald V. verhindert ist. Und so haben vier Kombinierer aus Oberstdorf im Allgäu in Trondheim Bekanntschaft mit einem Spross des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg geschlossen. „Sehr lässig, muss ich sagen“, wusste Julian Schmid, 25, nach der Audienz zu berichten, als Prinz Haakon bei ihm einen „sehr sympathischen Eindruck“ hinterlassen hatte. Man habe über dieses und jenes geplaudert: das Ambiente der Weltmeisterschaft, Stimmung, Unterbringung. Das Thema Skibindung wurde nicht angeschnitten.

Zwar ist Kronprinz Haakon offenbar versiert in schneesportspezifischen Fragen, mit Langlaufphänomen Johannes Hoesflot Klaebo hat er dieser Tage bei sechs Treffen auf der Ehrentribüne diverse Fachgespräche geführt. Aber er ist eben auch Diplomat. Und wenn Deutschlands Kombinierer unter anderem deshalb Weltmeister in der Staffel über 4 x 7,5-Kilometer werden, weil sie von einer Juryentscheidung zuungunsten Norwegens profitieren, dann übergeht die norwegische Monarchie diesen Umstand mit diskreter Höflichkeit.

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14 WM-Titel hat Therese Johaug im Langlauf gewonnen, für die WM in Norwegen kehrte sie aus der Sport-Rente zurück – und wurde zweimal denkbar knapp geschlagen. Bei der Frauen-Premiere über 50 Loipenkilometer will sie Revanche.

Von Barbara Klimke

Für Norwegens besten Kombinierer, Jarl Magnus Riiber, 27, galt diese Etikette selbstverständlich nicht. Ein „Riesendesaster“ sei die Disqualifikation seines Kollegen gewesen, sagte er vor internationalen Journalisten und stellte unumwunden klar: „Wir waren das beste Team.“

Das galt jedoch nur mit Einschränkung, bis zum Abschluss des Springens von der Großschanze, dann kontrollierte die Jury die Skibindung von Riibers Kollegen Joergen Graabak und bemängelte eine Regelwidrigkeit. Graabaks Sprung wurde folgerichtig aus der Wertung gestrichen, was Riiber akzeptierte, der die Schuld bei den norwegischen Skiserviceleuten sah. Norwegen, bis dahin souverän in Führung, ging mit einem Rückstand von mehr als eineinhalb Minuten in den zweiten Wettkampfteil, den Langlauf. Die Staffel von Bundestrainer Eric Frenzel war plötzlich Zweiter. Und die vier Oberstdorfer Johannes Rydzek, 33, Wendelin Thannheimer, 25, Julian Schmid, 25, und Vinzenz Geiger, 27, nutzen ihre Chance, kompensierten sogar einen Sturz von Startläufer Rydzek, überholten Österreich und wurden als Quartett zur königlichen Audienz gebeten.

Für Norwegen mit Ausnahmekombinierer Riiber blieb nach furioser Aufholjagd immerhin noch Platz drei. „Ich hätte natürlich gern noch eine kleine Battle gehabt mit Riiber“, merkte der deutsche Schlussläufer Vinzenz Geiger verschmitzt an: „Aber so ist es mir natürlich lieber.“

Es ist eine lange, unterhaltsame Rivalität, die die beiden Skinationen verbindet. Nicht nur, weil sie seit Jahren um die Vorherrschaft beim Duathlon auf Schanzen und in Loipen rangeln. Zuletzt hatte Norwegens Staffel deutlich die Skispitzen vorn, die WM-Siegesserie von 2019, 2021 und 2023 riss erst am Wochenende. Frei nach dem Motto, dass kleine Sticheleien die Konkurrenz beleben, hatte Riiber in den Tagen von Trondheim noch einen kleinen Seitenhieb gesetzt. Vorausgegangen war ein Protest, den die deutsche Delegation zu WM-Beginn nach dem Einzel-Wettbewerb auf der Normalschanze eingereicht hatte, weil der Drittplatzierte Norweger Jens Luuras Oftebro vermeintlich mit einem Ski die Strecke verlassen hatte. Der Einspruch wurde abgeschmettert, Vinzenz Geiger hielt ihn ohnehin für überflüssig, und auch Bundestrainer Frenzel fand die Ablehnung in Ordnung. Sieger Riiber allerdings war nicht amüsiert: In der Tageszeitung Dagbladet rügte er das „schlechte Benehmen“ der deutschen Mannschaft, bei dem ihm „speiübel“ werde: „Das ist widerlich.“

Die durchaus leistungsfördernden Reibereien gehen auf eine Tradition zurück

Die Konkurrenz beschloss, das nicht weiter zu kommentieren. An der Tatsache, dass Riiber der weltbeste Nordische Kombinierer ist, gab es ohnehin nie Zweifel. „Er ist ein Großer dieses Sports“, hat der siebenmalige Weltmeister Erik Frenzel über den elfmaligen Weltmeister Riiber gesagt. Geiger indes merkte bisweilen an, dass der norwegische Seriensieger „mit seinem Material manchmal hart am Limit“ liege. Langjährige Kenner des Nordischen Skisports führen diese durchaus leistungsfördernden Reibereien auf eine Tradition zurück, die mindestens bis 1997 zurückgeht, zu einer WM, die ebenfalls im norwegischen Trondheim stattfand: Damals landete Skispringer Dieter Thoma auf der Normalschanze nur auf Rang 22, obwohl er in zwei Durchgängen weiter als Weltmeister Janne Ahonen geflogen war – allerdings stürzte Thoma, weil es seiner Meinung nach unterlassen wurde, den Anlauf zu verkürzen. Er zeigte der Jury den Mittelfinger. „Typisk Tysk“ – typisch deutsch, befand damals das Boulevardblatt Verdens Gang in großen Lettern – und illustrierte das mit einer ähnlichen Geste von Jens Weißflog anno 1994 in Lillehammer: Nordische Skifolkore.

Die Gegenwart sieht so aus, dass Riiber seine Karriere zum Saisonschluss aus gesundheitlichen Gründen mit 27 Jahren beenden wird, er leidet unter Morbus Crohn, einer Darmkrankheit. Am Samstag, als alle Nordischen Kombinierer noch einmal zum großen Bakken und dann in die Loipe gingen für den letzten WM-Wettbewerb, gewann er sein drittes Gold bei diesen Titelkämpfen. Vinzenz Geiger wurde Dritter hinter Joergen Graabak, der nun eine korrekte Bindung am Sprungski trug.

Für Geiger war es die vierte Medaille in Trondheim nach Staffelgold, Silber mit dem Mixed-Team und Bronze im ersten Einzel von der Normalschanze. „Vier Starts, vier Medaillen: So eine tolle WM!“, sagte er. Und dann umarmte er im Zielhang seinen Rivalen Riiber sehr lange und sehr innig. Aus der Königsloge schaute der Kronprinz zu.

Nordische Kombination Wintersport Leserdiskussion

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