Sunday, Feb 01, 2026
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
Startseite sport Und Günter Netzer kämpf...

Und Günter Netzer kämpfte mit den Tränen: Eine Ausstellung über den ersten Popstar des deutschen Fußballs

2025-04-09
In sport Vom Stefan Hermanns

ÄHNLICHE ARTIKEL

Wenn das Pflegeheim plötzlich teurer wird: Was erlaubt ist und was nicht

Gründer der Bar jeder Vernunft und des Tipi am Kanzleramt: Berliner Entertainment-Legende Holger Klotzbach ist tot

Günter Netzer legte den Kopf in den Nacken. Er verschränkte die Hände vor seinem Bauch, ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen. Es war ein schönes Bild: Günter Netzer schaute gewissermaßen zu sich selbst auf, und er schien mit sich zufrieden zu sein.

Der Schein täuschte nicht.

Netzer war nicht nur zufrieden, er war sogar zutiefst gerührt. „Ich bin erschlagen“, sagte er – und kämpfte gegen die Tränen. Zum Glück sei es ab und zu mal dunkel geworden, „so hat man nicht gesehen, was ich empfunden habe“.

Was ihn im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund erwarten würde, das hatte Netzer selbst nicht gewusst. Zu seinen Ehren ist dort bis Oktober die Sonderausstellung „Netzer. Die Siebzigerjahre“ zu sehen. „Es ist das erste Mal, dass wir eine Person mit einer Ausstellung bespielen“, sagte Museumsdirektor Manuel Neukirchner bei der Preview am Montagabend.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Die Ausstellung im Deutschen Fußball-Museum ist bis zum 8. Oktober zu sehen.

© imago/Sven Simon/IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON

„Netzer. Die Siebzigerjahre“ ist keine konventionelle Ausstellung mit verwaschenen Trikots in Schaukästen, ausgelatschten Fußballschuhen und anderen Exponaten aus Netzers Karriere. Es ist eher eine Video- und Fotoinstallation, eine Mischung aus Performance und Film. Irgendwie passt das natürlich zu einem Mann, der als Fußballer auch alles war, nur nicht konventionell.

25 Minuten dauert die Würdigung des früheren Nationalspielers, Welt- und Europameisters, die fortan im Untergeschoss des Museums auf mehreren Videowänden in Dauerschleife zu sehen sein wird. „Ich bin kein Mann, der diese Belobigung gut ertragen kann“, sagte Netzer zu Beginn des Abends, zu dem sich eine Reihe früherer Weggefährten von Borussia Mönchengladbach, Real Madrid, der deutschen Nationalmannschaft und des Hamburger SV eingefunden hatte. „Aber hier überwiegt die Freude.“

Das Buch zur Ausstellung

Manuel Neukirchner: Günter Netzer. Die Siebzigerjahre. Verlag Die Werkstatt. 272 Seiten, 39,90 Euro.

Günter Netzer, 80 Jahre alt inzwischen, war nicht irgendein Fußballer. „Er war der Spieler, bei dem ich dastand und innerlich applaudiert habe“, erzählte Paul Breitner, der mit Netzer zwei Jahre lang gemeinsam für Real Madrid gespielt hat. In der eigenen Hälfte habe er nichts zu suchen, habe er einmal zu Netzer gesagt. „Du bist der Künstler.“

Netzers Wirkung hat immer weit über den Fußballplatz hinausgewiesen. Er umgab sich mit Künstlern und lauschte andächtig ihren Gesprächen. Er betrieb im provinziellen Mönchengladbach, seiner Heimatstadt, eine Diskothek, kleidete sich in existenzialistisches Schwarz, fuhr extravagante Autos und wurde so selbst zu einem Popstar. Zum vermutlich ersten des deutschen Fußballs.

Bernd Neuendorf, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, war zu Netzers aktiver Zeit ein Teenager und lebte irgendwo in der Provinz. „Obwohl wir ihn nicht kannten, haben wir dieses Aufmüpfige, dieses Coole in ihn hineinprojiziert“, erzählte er auf der Bühne in Dortmund.

Mit seiner wehenden Mähne wurde Netzer zu einer Ikone der Siebziger. Es gebe keinen Fußballer, mit dem man die Zeit so gut erklären könne, sagte Museumsdirektor Neukirchner.

Wobei die Heldenverehrung Netzers bisweilen bizarre Züge annahm. In der Ausstellung ist ein – nicht näher gekennzeichnetes – Zitat zu lesen, wonach die Friedenspolitik Willy Brandts die kühnen Züge des Spiels von Günter Netzer getragen habe.

Schon die umgekehrte Deutung, dass sein Spiel durch den linken Zeitgeist geprägt wurde, fand Netzer übertrieben. Ja, es hat ihm geschmeichelt, welch schöne Worte die Feuilletonisten für die Beschreibung seines Spiel gefunden haben. Die Überhöhung seiner Person aber ist ihm immer ein wenig suspekt gewesen.

Netzer hat sich vor allem als Fußballer gesehen. „Ich konnte mir diese Dummheiten nur erlauben, weil ich den Ball getroffen habe“, sagt er. Das andere, „das ging alles viel zu weit. Da hat man zu viel hineininterpretiert.“

Seine langen Haare waren kein politisches Statement. Netzer fand einfach, dass er mit langen Haaren besser aussah als mit einer braven Kurzhaarfrisur. Und ein Revoluzzer, ein Linker oder 68er war er auch nicht. Günter Netzer sagt: „Vielleicht findet da auch eine Verklärung der Vergangenheit statt.“

Borussia Mönchengladbach: Alles zum Sportverein Fußball Nationalelf

ÄHNLICHE ARTIKEL

„Frau Luna“ im Tipi am Kanzleramt: Ein Operettenhit als burleskes Silberflitterfest

„Frau Luna“ im Tipi am Kanzleramt: Ein Operettenhit als burleskes Silberflitterfest

2026-01-25

Jeder einmal auf dem Mond! Heinz Bolten-Baeckers muss Hellseher gewesen sein, als er das Versprechen...

250 Jahre E.T.A. Hoffmann: Die süßen Schauer des Unheimlichen

250 Jahre E.T.A. Hoffmann: Die süßen Schauer des Unheimlichen

2026-01-25

Der Grabstein, den ihm „seine Freunde“ gewidmet haben, würdigt ihn in großen Lettern als Kammergeric...

Katharine Mehrling erinnert sich an Holger Klotzbach: Er zog Menschen an wie ein Magnet

Katharine Mehrling erinnert sich an Holger Klotzbach: Er zog Menschen an wie ein Magnet

2026-01-25

Am 23. Januar 2026 ist der Impresario Holger Klotzbach nach schwerer Krankheit in Berlin gestorben. ...

CTM-Festival in Berlin: Blick in den amerikanischen Höllenschlung

CTM-Festival in Berlin: Blick in den amerikanischen Höllenschlung

2026-01-25

Die Musik ist zäh und langsam, fast schon einschläfernd. Im Normalfall ist eine solche Beschreibung ...

Agrarmesse: Letztes Wochenende der diesjährigen Grünen Woche steht an

Agrarmesse: Letztes Wochenende der diesjährigen Grünen Woche steht an

2026-01-25

Die 90. Grüne Woche geht in ihr letztes Wochenende. Heute und am Sonntag werden zum Abschluss der ze...

Nächster Beitrag
Champions-League-Viertelfinale: Sommers München-Rückkehr und eine offene Rechnung?

Champions-League-Viertelfinale: Sommers München-Rückkehr und eine offene Rechnung?

EMPFOHLEN

Fußball-Bundesliga: Kompany vor Augsburg: So steht es um Musiala und Davies

Fußball-Bundesliga: Kompany vor Augsburg: So steht es um Musiala und Davies

2026-01-25
Basketball: NBA: Starker Schröder kann Niederlage nicht verhindern

Basketball: NBA: Starker Schröder kann Niederlage nicht verhindern

2026-01-25

MEISTGESEHEN

  • Australian Open: Keine weitere Outfit-Show: Osaka zieht verletzt zurück

    Australian Open: Keine weitere Outfit-Show: Osaka zieht verletzt zurück

  • Australian Open: Letzter Auftritt in Melbourne: Wawrinka scheidet aus

  • Rodeln: Olympia-Doppel stürzt - Rodlerinnen Storch/ Patz überzeugen

  • Drittschwächste Offensive der Liga: Die mangelnde Effizienz gefährdet den Aufstieg von Hertha BSC

  • Australian Open: Trotz Hitze und Krämpfen: Sinner in Melbourne weiter

  • Fußball-Bundesliga: Ein Hamburg-Derby zum Vergessen: Nur Vuskovic-Wut bleibt

KATEGORIE

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts
  • Sitemap

© 2026 Vom Express01.

  • sport
  • politik
  • wirtschaft
  • gesellschaft
  • leben
  • experts

© 2026 Vom Express01.