Die Jury der Kunstbiennale von Venedig will in diesem Jahr bei der Preisvergabe keine Länder berücksichtigen, deren Staats- und Regierungschefs vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) mit Vorwürfen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit konfrontiert sind. Die Jury unter dem Vorsitz der brasilianischen Kunsthistorikerin Solange Farkas berief sich in einer Erklärung auf ihr „Engagement für die Verteidigung der Menschenrechte“.
Von der Jury werden keine bestimmten Länder genannt. Derzeit bestehen allerdings gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin wegen möglicher Kriegsverbrechen in der Ukraine und gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Gazastreifen Haftbefehle vom IStGH. Angeklagt sind Putin und Netanjahu nicht – Anklage kann erst erhoben werden, wenn ein Verdächtiger festgenommen wurde.
Biennale-Leitung spricht von Autonomie der Jury
Die Leitung der Biennale teilte mit, die Jury handele „in voller Autonomie und Unabhängigkeit des Urteilsvermögens“. Ihre Entscheidung sei „eine Positionierung, die die Mitglieder beschlossen haben, vorwegzunehmen und öffentlich zu machen“. Dies sei ein „natürlicher Ausdruck der Freiheit und Autonomie, deren Garant die Biennale ist“, teilte das Biennale-Pressebüro mit.
Um die diesjährige Kunstbiennale gibt es bereits seit einiger Zeit Wirbel. Erstmals seit Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 ist Russland bei der wichtigen Ausstellung für zeitgenössische Kunst wieder zugelassen und wird voraussichtlich wieder seinen Pavillon bespielen. Die Entscheidung ist umstritten und löste massive Kritik aus. Die EU drohte den Verantwortlichen der Kunstbiennale deswegen mit der Streichung von Zuschüssen in Millionenhöhe. (dpa)