Die „Maria Wörth“ fuhr jahrelang auf dem Wörthersee Touristen übers Wasser. Doch irgendwann ging es nicht mehr, wegen der Algen, der Naturschützer und anderer Widrigkeiten. Jetzt hat das Schiff in Berlin eine zweite Chance bekommen, nach umfangreichem Umbau, als solarbetriebener Pakettransporter in Berlin auf der Spree.
„Ich bin stolz wie Bolle“, sagte Sven Goerke, Leiter der DHL-Niederlassung Berlin, am Freitag auf der Jungfernfahrt des zweiten DHL-Paketschiffs. „Sowas gibt es weder in Sydney, Paris oder London.“ Das erste DHL-Schiff pendelt bereits seit dreieinhalb Jahren zwischen Spandau und Westhafen, um Pakete in die Stadt zu bringen. Allerdings ist dieses Schiff kleiner und fährt nur den Westhafen an – von dort aus werden die Pakete auf der Straße weiterverteilt.
© Thomas Loy
Das neue Schiff fungiert selbst als Transporter für die letzte Meile. Geplant ist, bis zu 14 automatische Packstationen und kleinere Verteil-Hubs in Ufernähe anzusteuern. Und da beginnen schon die Probleme. Bislang konnte DHL nur drei neue Packstationen aufstellen, weil sich die Genehmigungen hinziehen. Besonders lange dauert es in Friedrichshain-Kreuzberg.
Die Pakete kommen per Lastwagen nach Oberschöneweide, werden dort aufs Schiff geladen und dann verteilt. Die Tour führt nach Köpenick, bis in die Rummelsburger Bucht oder zum ehemaligen Osthafen nahe der Oberbaumbrücke. Das Schiff, die Maria Wörth vom Wörthersee, hat die DHL von der Reederei Solarwaterworld gechartet. Die stellt auch den Schiffsführer.
15 Stunden fahren ohne Sonne
Die Maria Wörth wird vollständig mit Solarenergie betrieben und kann bis zu 1500 Pakete laden. „Mit Sonne ist die Fahrtdauer unbegrenzt, ohne Sonne kann das Schiff zwölf bis 15 Stunden fahren“, heißt es. Das reicht auf jeden Fall, weil das Tempolimit von 10 Kilometern pro Stunde auf der Spree auch für die DHL gilt. Die Fahrt von Oberschöneweide bis zur Rummelsburger Bucht dauert eine gute halbe Stunde.
© Thomas Loy
Der Transport ist zwar langsamer auf der Straße, aber dafür absolut pünktlich. Und weniger stressig für die Mitarbeiter. Die Pakete würden nach der Verladung in den großen DHL-Logistikzentren rund um Berlin ihre Empfänger noch am gleichen Tag erreichen, versichert das Unternehmen. Das Schiff soll das ganze Jahr hindurch fahren, dennoch muss die DHL einen Ausfallplan vorhalten, für Tage mit zugefrorener Spree oder kaputter Schleuse.
In einer wachsenden Stadt mit zunehmendem Lieferverkehr müssen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Straßen zu entlasten, Lärm zu reduzieren und Emissionen zu vermeiden.
Ute Bonde (CDU), Verkehrssenatorin
Die politische Begleitung der Jungfernfahrt war beeindruckend: Neben Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) und IHK-Chefin Manja Schreiner ließen sich auch die drei beteiligten Bezirkshäupter blicken: Oliver Igel für Treptow-Köpenick (SPD), Clara Herrmann (Grüne) für Friedrichshain-Kreuzberg und Martin Schaefer (CDU) für Lichtenberg.
© Thomas Loy
„In einer wachsenden Stadt mit zunehmendem Lieferverkehr müssen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Straßen zu entlasten, Lärm zu reduzieren und Emissionen zu vermeiden“, sagte Verkehrssenatorin Bonde (CDU). Manja Schreiner hofft auf Nachahmer-Transportprojekte der lokalen Wirtschaft, das sei ein „tolles Vorzeigeprojekt“ der DHL.
Der Berliner Hafenbetreiber Behala unterstützt das Projekt und könnte sich noch deutlich mehr Pakettransporte auf dem Wasser vorstellen. Eine Studie habe ergeben, dass 17 Prozent der täglich 350.000 auszuliefernden Pakete in Berlin auf den Wasserwegen transportiert werden könnten, sagte Behala-Prokurist Leon Tietz.
Ob das so kommt, ist letztlich eine Frage der Ökonomie. „Wirtschaft und Klimaschutz lassen sich verbinden“, verkündete Goerke enthusiastisch, räumte auf Nachfrage aber ein, dass das Projekt bislang vorwiegend Kosten verursacht habe. Erst wenn täglich mindestens 1200 Pakete mit der Maria Wörth ausgeliefert werden könnten, rechne sich der Schiffsverkehr. (mit dpa)