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„Hier ist noch Platz“: Das Ende vom Fahrradchaos am Berliner Hauptbahnhof ist nah – aber nicht für alle

2025-07-09
In gesellschaft Vom Jörn Hasselmann

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Die Zukunft heißt Easystack, Beta XXL oder Velopa: moderne Technik, um das Fahrrad sicher abzustellen. Am Berliner Hauptbahnhof stellen diverse Hersteller auf einem „Testfeld“ ihre Fahrradparksysteme vor. Zweistöckige Anlagen, flache Bügel für Lasten- und Kinderräder, per App zu öffnende Boxen.

Jedoch: Der Berliner Radfahrer hat davon erst einmal nichts. Das Testfeld ist nur für Mitarbeiter der Deutschen Bahn gedacht und ansonsten verschlossen.

Das bekannte Chaos rund um den Hauptbahnhof ist seit Eröffnung vor 19 Jahren unverändert: Überall stehen und liegen Räder herum, angekettet an Schilder, Laternen und Geländer. Die Zahl der Bügel reicht absolut nicht aus.

Fahrradalltag Hauptbahnhof

© Jörn Hasselmann TSP

Besonders schlimm ist es auf dem Europaplatz, Mindestens einhundert rostende Fahrrad-Leichen machen den Vorplatz von Berlins Zentralbahnhof noch unattraktiver.

Das jahrelang diskutierte Fahrradparkhaus ist wie fast alle anderen in der Stadt von der CDU-geführten Verkehrsverwaltung aus Geldmangel gestrichen worden. Auch die Idee, im Untergeschoss Abstellanlagen auf Autoparkplätzen zu schaffen, blieb – eine Idee.

Nun immerhin ein „Testfeld“ unter dem westlichen Viadukt, organisiert von der „Informationsstelle Fahrradparken“, die zur Deutschen Bahn gehört. Die Mitarbeiter des Konzerns sollen die mehr oder minder tauglichen Ständer in den kommenden Monaten testen.

Gunnar Fehlau vom „Pressedienst Fahrrad“ beschreibt das Problem: Moderne Fahrräder werden immer schwerer (durch E-Antrieb), haben dickere Reifen, sind länger (Lastenräder) oder haben gar drei Räder oder einen Anhänger. Sie passen nur schlecht in herkömmliche Anlagen.

Fahrradexperte Gunnar Fehlau an einem zweistöckigen Ständer

© Jörn Hasselmann TSP

„Das Angebot richtet sich an kommunale Entscheidungsträger, um die Bandbreite von bewährten und innovativen Produkten rund ums Fahrradparken zu erleben und damit bessere Entscheidungen über das passende System für geplante Abstellanlage zu treffen“, heißt es in der Einladung. Die Informationsstelle wird finanziert vom Bundesverkehrsministerium, soll Kommunen Hilfe anbieten und Zugang zu Fördermitteln vermitteln.

Berlins kommunaler Entscheidungsträger war bei der Vorstellung am Dienstag dabei: Infravelo-Chef Michael Fugel. Passiert was am Hauptbahnhof, Herr Fugel?

Hier ist noch Platz

Michael Fugel, Infravelo-Chef

Ja, sagte Fugel dem Tagesspiegel. Auf Einladung der DB-Informationsstelle werde er sich demnächst die Flächen am Hauptbahnhof ansehen. „Hier ist noch Platz“, versicherte Fugel. Zum Beispiel unter dem Beton-Viadukt, Richtung Moabit. Hier könnten Doppelstockparker aufgebaut werden, gesichert mit dem von Infravelo entwickelten Zugangssystem „Park Your Bike“.

Im Mai hatte die Verkehrsverwaltung an den S-Bahnhöfen Hermsdorf (72 Plätze) und Adlershof (24) die beiden ersten gesicherten Anlagen fertiggestellt. Eine dritte mit 48 Plätzen soll noch 2025 in Lichterfelde Süd am S-Bahnhof folgen. Die Plätze können mit der „Park Your Bike“-App gebucht werden. Weitere Anlagen sind in Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Lichtenberg vorgesehen.

Ein Minibügel im Boden sichert Anhänger und Lastenräder

© Jörn Hasselmann TSP

Und nach etwa 20 Jahren Diskussion und zahllosen ent- und verworfenen Plänen soll im Herbst Baubeginn für Berlins erstes Fahrradparkhaus sein, verspricht Fugel. Am Bahnhof Schöneweide, einem wichtigen Verkehrsknoten in Treptow entstehen 1000 Plätze geben, ein zweites und (vorerst letztes) in Mahlsdorf (Marzahn-Hellersdorf).

Einfacher und kostengünstiger könnte die Lösung am Ostbahnhof sein. Hier wolle man Flächen eines schlecht genutzten Autoparkhauses für Radfahrer umbauen, kündigte der Infravelo-Chef an.

CDU Deutsche Bahn Fahrrad und Verkehr in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg Hauptbahnhof Lichtenberg Neukölln Treptow-Köpenick auf Facebook teilen auf Twitter teilen per WhatsApp teilen auf Pocket teilen

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