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Radsport: Große Erwartungen, großes Ego - aber im Schatten von Pogacar

2026-04-25
In sport Vom admin

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Remco Evenepoel überlässt nichts dem Zufall. Auf den schweren Flèche Wallonne hat er extra verzichtet, schließlich will der Doppel-Olympiasieger am Sonntag beim heimischen Frühjahrsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich nicht schon wieder das Nachsehen haben gegen Rad-Weltmeister Tadej Pogacar. Ob es hilft?

Seit drei Jahren konnte Evenepoel - abgesehen von den Zeitfahren - in keinem Eintagesrennen mehr vor dem großen Star der Branche landen. Zehn dieser zwölf Rennen - von WM, EM bis zu den Klassikern - beendete Pogacar gar als Sieger. Dazu war er auch bei der Tour de France in den letzten beiden Jahren gegen Evenepoel haushoch überlegen.

Pogacar-Siege als „Ansporn“

Das ist für den belgischen Radstar mit dem großen Ego nur schwer zu akzeptieren. „Es ist ein Ansporn“, sagte Evenepoel jüngst der italienischen Zeitung „Gazzetta dello Sport“ und betonte: „Ich möchte die beste Version von mir selbst erreichen, die ich je gesehen habe – und die noch nicht zu sehen war. Auf dem Rad und als Mensch. Ich kann noch viel lernen. Ich glaube, ich habe großes Entwicklungspotenzial.“

Für Evenepoel hat das deutsche Red-Bull-Team vor der Saison viel Geld in die Hand genommen. Von einem Gesamtvolumen von 20 Millionen Euro in drei Jahren ist laut Medienberichten die Rede, womit der 26-Jährige direkt hinter Pogacar der Topverdiener im Radsport wäre. Mit sieben Saisonsiegen hat Evenepoel schon etwas zurückgezahlt, am vergangenen Wochenende gewann er - in Abwesenheit von Pogacar - das Amstel Gold Race.

Tour-Traum utopisch?

Gleichwohl denkt Red Bull in anderen Dimensionen. Die Tour de France ist das große Ziel. Die Experten bezweifeln jedoch, dass Evenepoel jemals das Zeug zum Tour-Sieger hat. „Er hat alle Puzzleteile, nur dieses eine nicht. Ihm fehlt etwas in den hohen Bergen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass er die Tour im Moment gewinnen kann“, meinte Ex-Tour-Champion Andy Schleck.

Ähnlich sieht es Jens Voigt. „Remco ist ein ganz großer talentierter Rennfahrer, aber drei Etappen hintereinander im Hochgebirge - ich glaube, das ist nichts für ihn. Da hat Florian Lipowitz seine Stärken“, sagte der 17-malige Tour-Teilnehmer der Deutschen Presse-Agentur.

Muss Evenepoel in den Bergen womöglich für seinen deutschen Teamkollegen - Lipowitz wurde im vergangenen Jahr immerhin Tour-Dritter - Helferdienste verrichten? Dann wäre der Belgier der teuerste Edel-Domestike der Radsport-Geschichte. 

Bei der Katalonien-Rundfahrt ist dieses Szenario bereits eingetreten, aber würde er sich auch auf großer Bühne fügen? „Ich glaube schon. Er wird ein bisschen unglücklich sein und mit den Zähnen knirschen. Aber ich denke, dass er vernünftig und reif genug ist, um zu sagen: 'Ok, ich bin jetzt in der zweiten Reihe und ich bin jetzt Helfer'“, sagte Voigt. Das Red-Bull-Team will zunächst mit beiden als Doppelspitze in die Tour gehen.

Voigt: „Oder er schreit rum und geht nach Hause“ 

Trotzdem findet der Eurosport-Experte die Verpflichtung von Evenepoel „logisch“. Als die Verträge fixiert worden waren, sei noch nicht klar gewesen, dass Lipowitz Dritter bei der Tour wird. Und Evenepoel sei das Geld wert, weil er „immer spektakulär und interessant“ ist, so Voigt, der gleichwohl Spannungspotenzial sieht: „Remco ist immer heiß oder kalt. Entweder er fährt um den Sieg mit oder er schreit rum und geht nach Hause. Er wird selten 15.“

In Belgien galt Evenepoel einst als Jahrhundert-Talent, als der neue Eddy Merckx. Schließlich brachte er eine spannende Vita mit. Mit 16 Jahren spielte er noch in der belgischen Fußball-Juniorenauswahl. Und den Halbmarathon lief er in beachtlichen 1:13 Stunden, ehe es doch der Radsport sein sollte. Die Erwartungen in der Heimat sind riesig.

Dritter Sieg in Lüttich winkt

Inzwischen kann er damit umgehen. „Ich fahre jetzt seit sieben oder acht Jahren professionell Rad, und das hilft. Schon bei meinem Debüt stand ich im Mittelpunkt, aber jetzt sind der Druck und die Erwartungen kein Problem mehr“, sagte Evenepoel.

Am Sonntag soll es in Lüttich zum dritten Mal klappen - dieses Mal im direkten Duell mit Pogacar. Denn beim ersten Sieg 2022 fehlte der Tour-Champion wegen eines Trauerfalls in der Familie seiner Partnerin, ein Jahr später musste der Slowene nach einem Sturz mit einem Kahnbeinbruch frühzeitig aufgeben.

© dpa-infocom, dpa:260424-930-986679/1

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