Es ist eine Feindschaft mit Tradition: Der 1. FC Union Berlin und RB Leipzig stehen für so unterschiedliche Werte im Profifußball wie kaum zwei andere. Entsprechend kochen vor Duellen wie am Freitagabend in der Bundesliga oftmals die Emotionen hoch.
Dieses Mal hat RB bei den sportlichen Sticheleien allerdings daneben gegriffen: Der Klub hat auf der Plattform „X“ einen Post über Unions neue Cheftrainerin Marie-Louise Eta veröffentlicht, der sich sexistischer Klischees bedient und für den RB nun in der Kritik steht.

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Es begann damit, dass Union auf den anstehenden Stadionbesuch in Sachsen hinwies und dazu schrieb: „Also an Leipzig selbst liegt’s ja nicht – schon ’ne schöne Stadt …“. Daraufhin reagierte RB Leipzig mit einer Collage, die Eta neben teils in Unterhemd posierenden RB-Spielern und Ex-Trainer Marco Rose zeigte, versehen mit der Bemerkung: „Eure Cheftrainerin fand nicht nur die Stadt ganz schön …“ Marie-Louise Eta hatte 2022 bei RB Leipzig hospitiert.
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Gut möglich, dass RB die Abneigung vieler Union-Fans konterkarieren wollte. Die öffentliche Wirkung ist jedoch eine andere. Denn der Klub greift damit – ob absichtlich oder nicht– ein Klischee auf, mit dem Frauen im Fußball seit Jahrzehnten kämpfen: Sie sind angeblich nicht wegen der Sportart dort, sondern wegen der Männer.
Ein Beispiel aus dem Stadion: Erst diese Woche berichtete eine Union-Anhängerin dieser Zeitung, dass sie im Stadion lange nicht ernst genommen worden sei. Man habe ihr unterstellt, sie sei nur „wegen der hübschen Spieler“ da. Es habe Jahre gedauert, bis „die Männer begriffen, dass ich auch ein Abseits erkenne“.
Solche Vorurteile erleben Frauen im Fußball immer wieder, und dass ausgerechnet ein Erstligist sie reproduziert, zeigt, wie tief sie in der Branche verankert sind und wie wichtig es ist, sich diese immer bewusst zu machen.
Inga Hofmann Inga Hofmann leitet die Sportredaktion und findet: Der Post von RB Leipzig hat mit sportlicher Rivalität nichts zu tun.
Tausende Fans kritisierten den Post sofort, das ist ein wichtiges Signal. Denn es zeigt, dass die Kurven und die Basis oft weiter sind als die Führungsriegen der Profiklubs. Die Sensibilität für das Thema wächst.
Auch RB Leipzig reagierte auf die Kritik und schrieb auf Anfrage: „Sexismus hat bei RB Leipzig keinen Millimeter Platz.“ Man freue sich auf die Rückkehr Etas nach Leipzig. Wäre es bei aller Wertschätzung dann nicht der richtige Weg gewesen, auf einen flachen Witz zu verzichten?
Zumal RB Leipzig selbst in diesem Bereich Fortschritte gemacht hat: Erst Ende vergangenen Jahres ernannte der Klub Tatjana Haenni zur ersten Geschäftsführerin der Bundesliga, ein wichtiger Schritt.
Und dennoch: Es braucht mehr als einzelne Personalentscheidungen, um langfristig und nachhaltig etwas zu verändern. Es braucht ein tiefergreifendes Bewusstsein für sexistische Strukturen im Kleinen wie im Großen – und die Bereitschaft, im Zweifel auf einen „Witz“ zu verzichten.