„Trotz ihrer Behinderung kämpft sie sich tapfer durch den Schnee“ – mit solchen Sätzen werden Para-Athlet:innen im Fernsehen noch immer angekündigt. Der Name, die Disziplin und das Ergebnis kommen oft erst später.
Fachstellen und Projekte wie Leidmedien.de und der Deutsche Behindertensportverband (DBS) kritisieren solche Formulierungen, weil sie vor allem Mitleid erzeugen und nicht sportliche Leistung beschreiben.
Auch Athlet:innen melden sich selbst zu Wort. Para-Ski-Alpin-Athletin Anna-Lena Forster etwa spricht in Interviews und auf Instagram immer wieder darüber, dass sie als Leistungssportlerin wahrgenommen werden möchte – nicht nur als „Vorbild trotz Schicksalsschlag“.
Gleichzeitig macht sie deutlich, wie komplex Parasport ist. „Ich glaube, ganz fair kriegt man es nie hin im Parasport, weil die Behinderungen eben so individuell sind“, sagte Forster im Podcast mit Tim Gabel.
Forster meint damit Beiträge, in denen ausführlich von ihrer Behinderung und ihrem Lebensweg erzählt wird, während das eigentliche Rennen, das Material oder die Konkurrenz nur kurz erwähnt werden.
Ein Blick in Liveübertragungen zeigt, wie groß die Spannweite ist. Para-Athlet:innen berichten in Interviews und auf ihren Social-Media-Kanälen – zum Beispiel in Instagram-Storys und Posts –, dass in Kommentaren häufig die „Überwindung des Schicksals“ im Vordergrund steht, während sportliche Details wie Startklassen oder letzte Ergebnisse fehlen.
In anderen Sendungen – etwa aktuellen Para-Weltcupübertragungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – wird dagegen sachlich erklärt, in welcher Startklasse Athlet:innen antreten, ob sie mit Guide starten und welche Ergebnisse sie zuletzt hatten. Im zweiten Fall erfahren Zuschauer:innen, wie der Wettbewerb funktioniert – ohne Mitleidston.
Leitfäden des Deutschen Behindertensportverbands und des Projekts Leidmedien empfehlen: Person zuerst, Behinderung danach. Formulierungen wie „Menschen mit Behinderung“ statt „Behinderte“ oder „Biathletin mit Sehbehinderung“ statt „blinde Kämpferin“ sollen den Fokus auf die Person und ihre Rolle im Sport legen. Die Behinderung kann wichtig für die Ordnung sein – etwa beim Start mit Guide im Para-Biathlon –, sollte aber nicht die gesamte Geschichte sein.
Viele Para-Sportler:innen, darunter auch Athlet:innen wie Anna-Lena Forster oder Para-Biathlet:innen aus dem DBS-Team, wünschen sich genau das: weniger Held:innen-Erzählungen, mehr Analyse: Wie war das Schießen? Welche Rolle spielt das Material? Wie stark ist das Starterfeld?
Sprache entscheidet mit, ob Para-Wintersport als Sonderfall erscheint – oder als selbstverständlicher Teil des Spitzensports.