Seit der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 hat Deutschland politisch gefährdeten Afghaninnen und Afghanen im Einzelfall eine Aufnahme zugesagt. Doch in mehreren Fällen bleibt die Umsetzung aus. Betroffen ist auch die afghanische Sozialarbeiterin Samana Mohammadi, für die bereits seit Jahren eine Aufnahmezusage vorliegt. Der 32-Jährigen droht bei einer Rückkehr nach Afghanistan der Tod, wie es in einer Mitteilung der Bundestagsabgeordneten Katalin Gennburg (Die Linke) heißt.
Gemeinsam mit Studierendenvertreterinnen und -vertreter der Alice-Salomon-Hochschule (ASH) Berlin fordert Gennburg die Bundesregierung auf, die zugesagte Einreise der 32-Jährigen unverzüglich umzusetzen. „Hier geht es um Leben und Tod“, teilte Gennburg mit. „Diese Verantwortung darf die Bundesregierung nicht einfach fallenlassen.“

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Mohammadi stammt aus der afghanischen Stadt Herat mit mehr als 600.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. In Afghanistan hat sie als Soziologin und Sozialarbeiterin gearbeitet. Laut der Mitteilung setzte sie sich über Jahre öffentlich für die Rechte von Frauen ein, unter anderem in Kooperation mit deutschen Organisationen. Schon vor der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 sei sie bedroht und angegriffen worden; nach der Übernahme der Taliban sei sie offiziell gesucht worden, heißt es in der Mitteilung.
Wegen dieser Gefährdungslage erhielt Mohammadi eine Aufnahmezusage nach deutschem Aufenthaltsgesetz. Die junge Frau folgte der Empfehlung deutscher Behörden, nach Pakistan auszureisen. Auf der Flucht soll sie schwere körperliche Gewalt und sexuelle Übergriffe erlebt haben. In der deutschen Botschaft in Pakistan absolvierte Mohammadi ein Sicherheitsinterview und wartete dort mehr als zwei Jahre auf die Umsetzung der Zusage.
Abschiebung jederzeit möglich
Am 13. Dezember 2025 erhielt sie dann die Nachricht, Deutschland habe „kein politisches Interesse mehr an ihrer Aufnahme“. Nach Angaben der Unterstützer befindet sie sich derzeit an der pakistanisch-afghanischen Grenze, eine Abschiebung soll jederzeit möglich sein.
Vertreterinnen und Vertreter der Studierendenschaft der ASH rufen zu Solidaritätsaktionen auf. „Samana Mohammadi ist unsere Kommilitonin“, heißt es weiter in der Mitteilung. Seit 2023 habe sie einen zugesagten Studienplatz im Masterstudiengang Social Work as a Human Rights Profession an der ASH. Ihre Aufnahme sei rechtlich zugesagt, ihr Studium über BAföG sogar finanziell abgesichert. „Dass ihr nun mitgeteilt wird, ihr Leben sei politisch nicht mehr relevant, ist menschenverachtend.“
Die Abgeordnete Gennburg fordert Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) zum Handeln auf. Der Fall zeige, „was es bedeutet, wenn die Bundesregierung Menschen im Stich lässt“, so die Abgeordnete. Samana Mohammadis Situation ist dabei kein Einzelfall: Rund 1800 Menschen aus Afghanistan warten weiterhin auf die Umsetzung der Aufnahmezusagen der Bundesregierung.
Gemeinsam verlangen die Unterstützer die sofortige Umsetzung der Aufnahmezusage, Mohammads Einreise nach Deutschland sowie die Einhaltung aller Zusagen gegenüber gefährdeten Afghaninnen und Afghanen.