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Bloß nicht Puff oder Spielbank: So könnte der Dornröschenschlaf des ICC in Berlin beendet werden

2025-09-17
In gesellschaft Vom Bernd Matthies

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Letztes Wochenende war mal wieder was los im ICC. Tausende von Besuchern liefen durch die Gänge und stellten fest, was alle wissen: Das Ding funktioniert, es ließe sich ohne allzu viel Aufwand wieder in Betrieb nehmen. Und das nicht nur als Kulisse, wenn ein Filmausstatter mal wieder einen Flughafen simulieren will. Tief im Westen argwöhnt mancher immer noch, das ikonische Gebäude sei vor allem deshalb ins Koma versetzt worden, um den politisch brisanten Abriss des Palastes der Republik irgendwie auszubalancieren.

Bernd Matthies arbeitet seit 1982 beim Tagesspiegel. Er schreibt über kulinarische Themen, außerdem über Berlin und die Welt.

Wie auch immer: Die Messe Berlin will den Bau nicht, stellt lieber eine neue Kiste daneben, die so auch in Canberra oder Flensburg stehen könnte. Und der Abriss würde vermutlich sogar die Stadtautobahn darunter ins Kippen bringen und gilt schon deshalb als unermesslich teuer, weil mal ein Experte „Asbest!“ gerufen hat. Eine Zukunft als blecherner Todesstern mit Straßenanschluss wäre dem ICC also sicher, würden nicht die wechselnden Landesregierungen immer mal wieder hochschrecken und das Thema nolens volens auf die Tagesordnung setzen, stets nach dem Motto: Schwach anfangen und dann stark nachlassen.

Bordell und Spielbank ausgeschlossen

Ob das diesmal anders wird? Kaum zu glauben. Immerhin: Das „Konzeptverfahren“ mit internationalen Bietern ist tatsächlich beendet, weiter war man noch nie. Aber das Ergebnis bleibt unter Verschluss, weil sich zunächst eine Jury über die Konzepte beugen muss, bevor dann am Ende – Mai 2026 – ein Ergebnis vorliegen soll. Das heißt also: Es gibt offenbar Bieter. Was an sich noch keine gute Nachricht ist, denn es gibt in Berlin bekanntlich immer Bieter, die dann entweder selbst pleitegehen oder das betreffende Objekt so lange im Kreis herum verkaufen, bis es nicht einmal mehr der Architekt wiedererkennt.

Eine Regel aber gilt, wir können uns insofern schon einmal zurücklehnen: „Ausgeschlossen sind dabei Nutzungen wie ein Bordell, eine Spielbank oder vergleichbare Zwecke.“ Spötter sagen nun schon, damit seien die erfolgversprechendsten Nutzungen erledigt, aber nein. Selbst ein Bordell mit Spielbank, Konzertsaal und Parkhaus würde den Bau kaum auslasten können. Der Passus in der Ausschreibung dient wohl vor allem der Abschreckung, denn die Chefs vom Saunaclub „Artemis“ gleich darunter denken bekanntlich gern groß.

Und nein, auch eine Flüchtlingsunterkunft ist weder gewollt noch politisch machbar, auch als neue russische Botschaft ist der Bau nicht geeignet, wenngleich Putin das aus der Portokasse finanzieren könnte. Gesucht wird vielmehr irgendwas, wo Franziska Giffey herzlich lächelnd zur Eröffnung schreiten kann, ein Tempel der sozialen Marktwirtschaft und kulturellen Empathie, der keine großen Umbauten benötigt, aber viel Geld einspielt und dem Senat nicht auf der Tasche liegt. Prestigiös genug für die Reichen und Heidiklumhaften, zugänglich genug fürs einfache Volk, das dort auch eine Curry rot-weiß für dreifuffzig vorfinden soll. Beispielsweise.

Klingt ein wenig nach einem Palast der Republik, nicht wahr? Denken wir etwas kleiner: Wie wär’s mit einem „Food Court“? Ja, davon hat Berlin schon ein paar, alle laufen so lala. Also gerade! Die Aromen der Welt von Abessinien bis Zypern unter einem Dach, Sterneküche und Fast Food, dazu 20 Kaffeebuden und fünf Weinbars, nobel oder schmutzig – dann wäre draußen in der Stadt endlich mal Ruhe, und die Leute könnten feiern, bis die Putzkolonne kommt. Wird mega!

Na ja, nur so eine Idee. In Wirklichkeit kann die Stadt froh sein, wenn sich beispielsweise jemand von Tesla vorwagt und aus dem Bau eine große verkehrsgünstig platzierte Speicherbatterie mit tausend Steckdosen macht. Dann käme zumindest Elon Musk mal wieder vorbei. Oder, ganz anders, ein friedlicher Tempel der Weltreligionen mit Elefanten-Fassade und Muezzin im Parkhaus, Kreuz auf dem Flur, getrennten Eingängen für m/w/d und interreligiösen Wohngemeinschaften?

Sehr weit, zu weit gedacht. Aber … wir könnten ein Kongresszentrum draus machen! Da wäre der Name schon da, das Innenleben auch. Leider: Das wäre selbst für Berliner Verhältnisse zu revolutionär.

A100 Charlottenburg-Wilmersdorf Franziska Giffey ICC: Nachrichten zu Berlins besonderer Immobilie auf Facebook teilen auf Twitter teilen per WhatsApp teilen auf Pocket teilen

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