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Fernsehen: Eine Liebeserklärung an die Provinz

2025-07-01
In gesellschaft Vom admin

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Wissen Sie, wie ein Okapi aussieht? Diese seltsam unförmige Waldgiraffe, die wirkt, als sei sie aus verschiedenen Tieren zusammengesetzt? Nein? Seien Sie froh. Denn ein Okapi, das im Traum erscheint, bringt jemandem im Dorf den Tod. Zumindest bei Großmutter Selma (Corinna Harfouch) mit Bestimmtheit. Wenn man hier im tiefsten Westerwald lebt, macht das Schicksal nie Ausnahmen, es lässt sich höchstens Zeit.

Der verfluchte, wiederkehrende Traum

Der verfluchte, wiederkehrende Traum vom Okapi ist Herzstück von Mariana Lekys Erfolgsroman „Was man von hier aus sehen kann“ von 2017., dessen Verfilmung am Montag (30.6.) um 20.15 Uhr im Ersten läuft.

Es ist eine Liebeserklärung an die deutsche Provinz - lebensklug, unterhaltsam, warmherzig. Regisseur Aron Lehmann („Das schönste Mädchen der Welt“) hat eine famose Umsetzung inszeniert, die dem Buch sehr nahekommt.

Luise (als Kind Ava Petsch, als Erwachsene Luna Wedler) wächst in den 80er Jahren in der Tristesse eines Westerwald-Dorfes auf. Sie und ihr bester Freund Martin (Cosmo Taut) haben es als Kinder beide nicht leicht. 

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Martin leidet unter seinem Vater, einem cholerischen Schläger und Trinker. Luise wiederum leidet unter der zerbrechenden Ehe ihrer Eltern, die sich für ihre Tochter kaum interessieren.

Wärme und Allgemeinbildung nur bei Oma

Wärme und Allgemeinbildung erhalten die zwei nur bei Großmutter Selma und ihrem heimlichen Verehrer, „dem Optiker“, dessen Name nie genannt wird und der durch böse innere Stimmen zur Schüchternheit verdammt ist. 

Dennoch ist es ein behütetes Umfeld zwischen Wäldern, Äckern und Hochspannungsmasten, bis eine Katastrophe Luises Kindheit beendet. Erst Jahre später scheint sie endlich ihr großes Glück zu finden.

Der heimliche Star dieses Heimatfilms mit Hirn und Herz ist Karl Markovics als „der Optiker“. Der Wiener Theaterstar fügt sich perfekt in eine ausgezeichnet gecastete Dorfgemeinschaft ein, deren Charme oft aus kauziger Miesepetrigkeit erwächst - wie halt häufig auch im echten Leben. 

Ein Film für Kinder der 70er und 80er Jahre

Im Zentrum: Luise, die seit dem Schock als Kind nicht mehr wagt, Fremden in die Augen zu blicken. Und doch versucht sie, zwischen all den Verrückten ein normales Leben zu führen. Schließlich läuft ihr an diesem Ende der Welt sogar der Mann fürs Leben über den Weg. Doch er ist Buddhist - zur Ausbildung geht er ins ferne Japan.

„Was man von hier aus sehen kann“ ist eine wunderbare, tragikomische Hochglanzproduktion, in der sich viele Kinder der 70er und 80er Jahre wiederfinden können. 

Die liebevolle Ausstattung zieht einen hinein ins Nachkriegswestdeutschland, in dem noch tuckernde rote Schienenbusse mit Stoffvorhängen die Dorfbahnhöfe mit der Zivilisation verbanden. Als in vielen Küchen noch Glühbirnen in korbgeflochtenen Lampenschirmen brannten und Prilblumen über der Spüle klebten. 

Doch dieses Dorf ist keine Idylle aus dem Bilderbuch: Bei der chronisch schlecht gelaunten Dörflerin Marlies (Rosalie Thomass) klebt noch das verspritzte Blut vom letzten Suizid in der Familie an der Wand. Überhaupt gewinnt das Thema Tod in der Filmversion viel Raum. Der Tod ist es dann auch, der am Ende alle dazu bringt, Gefühle zu gestehen.

© dpa-infocom, dpa:250630-930-734525/1

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