Nach Lindsey Vonns schwerem Sturz bei den Olympischen Spielen sitzt der Schock tief. Die US-Amerikanerin war nach Cortina d’Ampezzo gekommen, um noch einmal eine Medaille zu gewinnen. Stattdessen stürzte sie beim Rennen am Sonntag nach wenigen Sekunden und musste mit dem Hubschrauber abtransportiert werden.
Die Bestürzung am Pistenrand war greifbar. Minutenlang herrschte totale Stille und sogar Rapper Snoop Dogg verfolgte die Szene sichtlich angespannt auf dem Bildschirm. Auf seiner Brust prangte ein riesiges Porträt von Vonn. Johan Eliasch, Präsident des Weltverbandes Fis, bezeichnete das Geschehen später als „tragisch und traurig“.
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Besonders schockiert zeigte sich Vonns Schwester Karin Kildow, die das Ganze vor Ort mitverfolgte. Wenige Stunden vor dem Rennen hatte sie noch ein vorfreudiges Video mit dem Titel „Perfect Day“ auf Instagram gepostet. „Das war definitiv das Letzte, was wir sehen wollten“, sagte sie gegenüber dem Sender „NBC“. „Es ging alles sehr schnell. In so einem Moment hofft man einfach nur, dass sie okay ist.“
Es sei besonders beängstigend zu sehen gewesen, wie die Sportlerin mit einer Trage und im Hubschrauber abtransportiert werden musste. „Das ist kein gutes Zeichen.“ Immerhin: Vonn habe alle ihre Chirurgen und Physiotherapeuten in Italien dabei und erhalte daher die beste Unterstützung.
Siegerin Breezy Johnson zeigte sich betroffen
Ähnlich betroffen reagierte die US-amerikanische Teamkollegin Breezy Johnson, die am Ende Gold holte. „Mein Herz tut weh“, wird Johnson vom „Athletic“ zitiert. „Lindsey hat so viel erreicht und wird in einer anderen Liga spielen als ich. Aber ich finde, dass es etwas ganz Besonderes ist, wenn dein Name neben ihrem steht.“
Vonns Trainer habe ihr mitgeteilt, dass die Teamkollegin sie vom Helikopter aus angefeuert und die Daumen gedrückt habe.
Das war ein Sturz, den ich ehrlich gesagt in fast 40 Jahren so noch nicht gesehen habe – in dieser Brutalität.
ARD-Kommentator Bernd Schmelzer
Auch im deutschen Sport ist die Anteilnahme derweil groß, viele Sportler und Sportlerinnen zeigen ihr Mitgefühl. So auch die Deutsche Emma Aicher, die vor Vonn an den Start ging und am Ende Silber holte. „Ich habe nicht genau hingeschaut und hoffe, dass es nichts Schlimmes ist. Ich wünsche ihr gute Besserung“, sagte sie über den Sturz im ZDF.
Besonders emotional reagierte der ehemalige Skirennläufer Felix Neureuther, der den Wettkampf für die ARD als Experte begleitete. „Oh Scheiße. Entschuldigung, dass ich das sage“, entfährt es Neureuther während der Übertragung, als er Vonn am Boden liegen sieht.
„Es ist ein Albtraum“, pflichtet Kommentator Bernd Schmelzer ihm bei. „Da brauchen wir keine Zeitlupe. Das will man jetzt nicht sehen. Das ist ganz ganz fürchterlich. Das war ein Sturz, den ich ehrlich gesagt in fast 40 Jahren so noch nicht gesehen habe – in dieser Brutalität.“
Als dann aber doch Szenen der Behandlung von Vonn auf der Piste gezeigt werden, protestiert Schmelzer: „Bitte die Bilder nicht zeigen! Es ist unerträglich!“ Neureuther wird sogar noch deutlicher, als Schmerzschreie ertönen: „Tut doch den Ton weg. Ich nehme den Kopfhörer jetzt runter.“