Meist zu spät, oft nicht konsequent und manchmal sogar falsch: Diagnose und Behandlung von Migräne sind noch immer ein Trauerspiel. Männer halten Migräne für eine Frauenkrankheit – und erkennen sie nicht.
Migräne bei Kindern wird übersehen, weil sie andere Symptome zeigen. Und auch sonst dauert die Diagnose oft Jahre. Verschenkte Jahre. Denn die Selbstbehandlung mit Schmerzmitteln wie Aspirin, Ibuprofen oder Paracetamol reicht oft nicht aus – zumal die Dauermedikation zu Schmerzen durch die Schmerzmedikamente selbst führen kann.
Mit Antikörpern wird der Stoffwechsel eines Proteins beeinflusst
Migränebehandlung gehört in die Hände des Arztes! Denn es gibt mittlerweile einen bunten Strauß hochwirksamer, teilweise brandneuer Medikamente. Länger schon gibt es die Medikamentengruppe der Triptane – jetzt ist eine weitere Wirkstoffgruppe zugelassen worden: die Ditane. Sie werden von Herz-Kreislauf-Patienten besser vertragen.
Ein Ärgernis ist auch, dass schwere Migräne – besonders häufige und schmerzhafte Attacken – oft nicht mit sogenannten Intervallmedikamenten behandelt wird. Neu für diese Dauerbehandlung sind Antikörper: Sie greifen in den Stoffwechsel eines Proteins ein, das als CGRP bekannt ist. Dieser Botenstoff vermittelt bei Migräne eine Entzündung in der Hirnhaut und führt dort zu Schmerzen. Man kann eine Migräneattacke bei Migränepatienten allein dadurch auslösen, dass man diesen Stoff spritzt.
Die Antikörper blockieren entweder das CGRP selbst – oder sie blockieren den Rezeptor, den das Protein sonst aktivieren würde. Diese Medikamente greifen also zielgenau und hochwirksam in die Schmerzentstehung ein.
Andere Intervallmedikamente – Betablocker etwa – sind eigentlich zur Blutdrucksenkung auf den Markt gekommen, verringern aber sehr effektiv die Häufigkeit von Migräneattacken und deren Schwere. Dass auch Ausdauersport, regelmäßiger Schlaf und Entspannungstraining im Intervall zwischen den Attacken wirksam sein können, sollte nicht vergessen werden.
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