Das Land Berlin hat im Jahr 2025 so viel Geld durch die Übernachtungssteuer eingenommen wie nie zuvor. Insgesamt spülte die Abgabe 150,35 Millionen Euro in die Landeskasse. Das geht aus Angaben hervor, die die Finanzverwaltung auf ihrer Homepage zur sogenannten City Tax veröffentlicht hat. Am meisten Einnahmen brachte der Monat Oktober mit 18,8 Millionen Euro.
Die Einkünfte aus der Übernachtungssteuer, die auch als Bettensteuer bekannt ist, haben sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich erhöht. 2024 hatten Hotels insgesamt 89,6 Millionen Euro an Übernachtungssteuer gezahlt. 2023 lagen die Einnahmen bei 58,7 Millionen Euro.
Mit dem neuen Rekordwert liegen die Einnahmen sogar noch höher als ursprünglich von der Senatsfinanzverwaltung prognostiziert. Im vergangenen April hieß es seitens des Landes, man plane mit einem Betrag von 137 Millionen Euro.
Steuer wird häufig auf die Gäste umgelegt
In der Vergangenheit waren geschäftliche Reisen von der Übernachtungssteuer ausgenommen, diese Ausnahme gilt seit dem 1. April 2024 allerdings nicht mehr. Seit dem 1. Januar 2025 müssen Hotels und andere Beherbergungsbetriebe für die Übernachtungssteuer 7,5 Prozent statt wie zuvor 5 Prozent auf die Rechnung für ihre Gäste draufschlagen. Nebenkosten wie das Frühstück werden nicht einbezogen. Die Steuer muss nicht auf die Hotelgäste umgelegt werden, in der Praxis machen das aber viele Unterkünfte.
Deutschlandweit fällt die Bettensteuer in Berlin damit am höchsten aus. Lediglich die Städte Dortmund, Flensburg und Potsdam verlangen den gleichen Prozentsatz. Die seit Anfang 2025 erhöhte Abgabe dürfte der Hauptgrund für die erhöhten Einnahmen sein. Denn im vergangenen Jahr kamen deutlich weniger Touristen nach Berlin als noch 2024. Wie die Tourismusagentur Visit Berlin im Februar mitgeteilt hatte, verpasste die Hauptstadt die Marke von 30 Millionen Gäste-Übernachtungen.
2025 wurden den Angaben der Agentur nach 29,4 Millionen Übernachtungen von 12,4 Millionen Gästen gezählt. 2024 waren es 30,6 Millionen Übernachtungen von 12,7 Millionen Gästen.
Der Tourismus in der Hauptstadt läuft weiterhin den Rekordwerten aus dem Jahr 2019 und damit dem Niveau vor der Corona-Pandemie deutlich hinterher deutlich hinterher. Damals kamen fast 14 Millionen Touristen in die Hauptstadt und sorgten für 34,12 Millionen Übernachtungen in Hotels und Beherbergungsbetrieben.
Ursache für Gästerückgang ist unklar
Berlin erhebt die Steuer seit 2014, vom Gastgewerbe wird sie seither als Problem angesehen. Auch der Einbezug der Geschäftsreisenden und die Erhöhung zum Jahreswechsel stießen in der Branche auf erhebliche Kritik.
Die Hoteliers befürchten, dass durch die höheren Preise Gäste ausbleiben könnten. Ob beim Rückgang der Touristenzahlen die City Tax oder eher ein grundsätzlich verändertes Reiseverhalten eine Rolle spielt, ist offen.
Lesermeinung zum Artikel
Berlin hat abseits der unter Denkmalschutz stehenden alten preußischen Steinhaufen nicht mehr so viel zu bieten wie in den ersten 20 Jahren seit der Wiedervereinigung. Das seitdem exzessiv ausgeschlachtete Image der wilden Freiheit, der Stadt der abgefahrenen Kunst und Events basierte in letzter Konsequenz auf Menschen. Auf unkonventionellen Typen, auf Menschen mit alternativen Lebenskonzepten. Diese können sich die Stadt schon lange nicht mehr leisten und sind weitergezogen. Übrig bleibt konventionelles Massengeschäft mit Touristen“attraktionen“, die von Budapest bis Barcelona weitgehend austauschbar sind.
Man hat es versäumt, für Berlin ein Profil zu entwickeln, ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Irgendwann hat eben jeder die alten Steine einmal gesehen und für einen oder mehrere Wiederbesuche ist die Stadt einfach nicht charmant genug. Immerhin erinnern sich die Gäste ja auch an die Vermüllung und den unfreundlichen Umgangston.“
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In diesem Jahr hofft Berlin angesichts der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) und der Bahn- und Verkehrstechnikmesse Innotrans wieder auf steigende Besucherzahlen. Beide Messen werden nur alle zwei Jahre abgehalten. (mit dpa)