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Ungewöhnliches Projekt: Sexarbeiterinnen kuratieren Ausstellung in Bundeskunsthalle

2026-04-01
In gesellschaft Vom admin

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„Ich bin wirklich sehr glücklich, all diese Geschichten von Sexarbeitenden auf einer so großen nationalen Bühne versammelt zu sehen“ – so beschreibt Sexarbeiterin Rori ihre Gefühle angesichts einer von ihr mitgestalteten Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn. „Sex Work“ erzählt die Geschichte der Sexarbeit seit der Antike. In den staubigen Straßen des alten Athens sollen Prostituierte Sandalen getragen haben, die einen Abdruck mit der Aufschrift „Folge mir“ hinterließen.

Die Ausstellung setzt Schlaglichter auf Kunst- und Kulturgeschichte ebenso wie auf gesellschaftspolitische Themen. Kunst und Erotik waren häufig eng verflochten, so erwarteten wohlhabende Besucher der Pariser Oper im 19. Jahrhundert „Gefälligkeiten“ für ihr Mäzenatentum. In vielen patriarchalen Gesellschaften habe Sexarbeit für Frauen die einzige Möglichkeit dargestellt, Geld zu verdienen, so die Ausstellungsmacherinnen. 

Lagerbordelle im Nazi-KZ 

Die Geschichte der Sexarbeit ist demnach geprägt von einem Wechselspiel aus Liberalisierung und Restriktion. Ein krasses Beispiel dafür ist das libertäre Berlin der Goldenen Zwanziger Jahre, gefolgt vom Nationalsozialismus. 1942 wurden auf Anweisung von SS-Chef Heinrich Himmler, einem der Hauptverantwortlichen für den Holocaust, in mehreren Konzentrationslagern Lagerbordelle eingerichtet. Frauen stellten sich dafür zur Verfügung, weil ihnen bessere Lebensbedingungen und frühzeitige Entlassung versprochen wurden.

Nach dem Krieg wurde dieses Kapitel nach den Recherchen der Kuratorinnen jahrzehntelang totgeschwiegen, auch um die Häftlinge nicht in Misskredit zu bringen. Die Entscheidung der Frauen, ihre Sexualität zum Überleben einzusetzen, wurde stigmatisiert.

Ein großer Teil der Schau behandelt die Entwicklung nach 1945. In den 1980er Jahren wurde Aids von konservativen Kräften vielfach als „Strafe Gottes“ sowohl für Homosexualität als auch für Prostitution dargestellt. Die Ausstellung zeigt ein Plakat des Staates Kalifornien, der als Schutzmaßnahme gegen die damals noch tödlich verlaufende Krankheit eheliche Treue empfahl. Die 80er waren aber auch die Zeit, in der in Berlin und Frankfurt/Main erste autonome Projekte von Prostituierten zur Wahrnehmung ihrer Interessen gegründet wurden.

Prostituierte beeinflussten Modetrends

Die an der Ausstellung beteiligten Sexarbeitenden sollten die Binnenperspektive einbringen, sagte die Intendantin der Bundeskunsthalle, Eva Kraus. Dass Sexarbeitende auch schon früher schöpferisch und kreativ gearbeitet hätten, zeige etwa ihr Einfluss auf modische Trends, so Johanna Adam, Kuratorin der Bundeskunsthalle.

„Es ist unglaublich, wie viele Sexarbeitende hier Input gegeben haben“, sagte Rori der Deutschen Presse-Agentur. „Ich hoffe, dass wir etwas dafür tun können, den derzeitigen Diskurs zu verändern.“ In der Diskussion etwa über das deutsche Prostitutionsgesetz würden Sexarbeitende selbst oft gar nicht gehört. Es gebe in der Branche ein sehr weites Feld von Opfern bis hin zu völlig selbstbestimmt arbeitenden Frauen. Das meiste liege irgendwo dazwischen. Die Ausstellung zeichne ein sehr differenziertes und fesselndes Bild davon.

© dpa-infocom, dpa:260331-930-890381/1

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