Am Freitagabend klackern im „Ding Dong Ping Pong“ die Bälle noch schneller als sonst. Zum Kinostart von „Marty Supreme“ veranstaltet der Tischtennisclub in Prenzlauer Berg ein Marty-Gedächtnisturnier. Der am Donnerstag in Deutschland gestartete Film mit Hollywoodstar Timothée Chalamet ist inspiriert vom Leben des US-Tischtennisspielers Marty Reisman (1930–2012).
An den Tischen des „Ding Dong“ an der Prenzlauer Allee stehen an diesem Abend insgesamt 65 Menschen, bereit für die radikalste Form des Tischtennis: ein Match bis zum ersten Punkt. Wer ihn macht, kommt weiter. Wer ihn verliert, ist raus. 1000 Euro gewinnt am Ende nur einer.

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„Remember, it’s about fun! Most of you won’t win anyway!“, ruft Organisator Waldemar Zeiler in die Halle – um Spaß soll es gehen, gewinnen werden die meisten ohnehin nicht. Das Format, die sogenannte „One-Point-Challenge“, sei inspiriert von großen Spaßturnieren wie dem „1 Point Slam“ bei den Australian Open, bei dem es um eine Million Dollar Preisgeld ging. Zu 50 Prozent entscheide das Glück, zu 50 Prozent das Können, meint Zeiler. Mit den harten und für alle Teilnehmer gleichen Leihschlägern werde es selbst für Profis kompliziert.
© Arkadii Mazur
Und Profis sind da: Bundesliga-Spieler in Teamtrikots mit Wechselschuhen. Daneben Kinder mit Eltern, neugierige Erstspielerinnen, stylishe Zwanzigjährige, die aussehen, als kämen sie gerade aus der nächstgelegenen Bar. Viele kommen nach der Arbeit – wie Matthias: „Old-Money“-Look, tätig in einer Parfümerie, im zweiten Durchgang ausgeschieden. „Zu 80 Prozent entscheidet auch hier das Können“, ist er überzeugt.
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Am Ende gewinnt Lorenz das Turnier. Er spielt seit seinem neunten Lebensjahr, Oberliga, 2100 TTR: „Gegen Anfänger gewinne ich elf zu null.“ Doch auch für ihn war der Abend Nervenkrieg: „Ich war vom ersten Spiel an so aufgeregt.“ Lorenz schätzt, dass zur Hälfte das Glück ausschlaggebend für seinen Gesamtsieg war. Neben 1000 Euro gewinnt er ein Kinoticket für den Film.
Wird wegen „Marty Supreme“ bald jeder zur Kelle greifen? „Vielleicht wird der Effekt nicht so groß wie bei ‚Queen’s Gambit’ fürs Schach“, sagt Organisator Waldemar Zeiler. „Aber Tischtennis geht nach oben.“ Und an diesem Abend fühlt sich zumindest einer von 65 Menschen wie „Marty Supreme“.